Zwischen Erde und Himmel: Ausstellung im Fritzlarer Dom wird heute eröffnet

Weder starr noch steif

Keine leichte Aufgabe: Schwester Christophora (rechts) ist beim Aufbau der Großskulpturen im Kreuzgang dabei. Angelehnt an ihre Hildegard-Figur gönnt sie sich eine Verschnaufpause. Fotos: Yüce

Fritzlar. Sie sind schwer und wirken doch so leicht: Zwölf Großskulpturen aus Ton sind ab heute im Kreuzgang des Fritzlarer Doms zu sehen. Gestern wurden die bis zu 100 Kilogramm schweren und bis zu 2,20 Meter großen Figuren aufgebaut – ein Kraftakt.

Geschaffen hat die glassierten Vollplastiken Künstlerin und Ordensschwester Christophora Janssen aus Rüdesheim am Rhein. Es ist keine gewöhnliche, sondern eine von tiefer Spiritualität getragene Ausstellung.

Die Skulpturen hinterlassen einen tiefen Eindruck. Viele von ihnen erinnern an im Laufe der Jahrhunderte verwitterte frühromanische Werke - und sind Ausdruck von einer tiefen Gläubigkeit. Sie wollen den Betrachter dazu bringen, sich mit der religiösen Botschaft, die sie verkörpern, auseinanderzusetzen. So etwa die Figur von Hildegard von Bingen, sie ist in den Farben grün und braun gehalten, um ihre Erdverbundenheit herauszuarbeiten, erklärt Schwester Christophora. Ihren Kopf jedoch hat die Künstlerin gen Himmel gedreht. Für die Künstlerin ist das ein Ausdruck des Transzendenten. Besonders schön die große Feder, die über den ganzen Rücken der Hildegard-Figur verläuft. „Sie ist zugleich das Symbol für einen starken Rücken und sie stellt Hildegard auch als Feder Gottes da“, erklärt die Künstlerin. „Ich möchte zeigen, dass das Mensch-Sein und der Glaube zusammengehören“, sagt sie. So wie die Hildegard, haben auch die anderen Figuren eine starke Symbolkraft und jede für sich ein ganz eigenes Charisma, die es zu entdecken lohnt. Allesamt wirken die Keramik-Werke weder starr noch steif und sie sind nach oben gewandt, wirken so zufrieden und sehr positiv auf die Betrachter.

Die großen Skulpturen hat Schwester Christophora in mehreren Teilen erstellt. „Anders wäre es nicht machbar“, sagt sie mit Blick auf Größe und Gewicht. In Fritzlar gibt es bereits Werke der Künstlerin zu sehen. So hat sie unter anderem für den Seniorenstift St. Elisabeth ein Relief für die Frontwand angefertigt. Reizvoll an der Ausstellung im Dom sei, dass die Werke im Kreuzgang anderes wirken, als in der Natur und dass es eine direkte Nähe zu Wigbert und Bonifatius gebe. „Zum christlichen Leben“, sagt sie.

Quelle: HNA

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