Wege aus der Abhängigkeit: Vitos Klinik bietet neues Konzept für Suchtkranke

Merxhausen. Wenn Suchtmittel den Alltag bestimmen, bleibt wenig Zeit für anderes. Dass es neben der Sucht noch viele kleine Dinge gibt, die das Leben lebenswert machen, will die Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bad Emstal Abhängigkeitskranken mit einem neuen Behandlungskonzept aufzeigen.

Rüdiger Reise

Bewusster wahrnehmen und genießen – darum geht es in der „Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie“ für Suchtkranke. Im Haus 12 der Suchtabteilung werden seit Anfang dieses Jahres medikamenten- und alkoholabhängige Patienten mit dem veränderten Therapieansatz behandelt. „Wir sammeln damit in der alltäglichen Praxis bisher positive Erfahrungen“, erklärt Rüdiger Reise, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Das so genannte „Achtsamkeitsprinzip“ wird übergreifend in allen Therapiebereichen etabliert – in stationären und teilstationären Behandlungen sowie in Einzel- und Gruppenangeboten. Zunächst erhalten die Patienten einen individuellen Therapiepass, auf dem die einzelnen Behandlungsmodule aufgeführt sind. „In der Suchttherapie ist es wichtig, alternative Belohnsysteme zu aktivieren und zu nutzen, um beispielsweise vom Alkohol wegzukommen“, erklärt Rüdiger Reise. „Du schaffst es nicht“ – solche negativen Gedanken würden viele der 1400 Patienten, die jährlich im Haus 12 der Vitos Klinik in Merxhausen behandelt werden, oft während des Entzugs begleiten, weiß der Facharzt.

Mit der neuen Therapieform sollen Abhängige lernen, negative Gedanken bewusst wahrzunehmen, sie zu durchbrechen und andere, alltägliche Dinge positiver zu empfinden. „Und wenn es der Geschmack des Kaffees ist“, sagt Reise. „Sie sollen sehen, dass es auch ohne Suchtmittel geht.“ Mithilfe der „Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie sollen sie einen Ersatz für ihre Suchtmittel finden. Und vor allem eines: sich in diesem Prozess wohler fühlen.

„Immer verfügbar“

Positiv komme die Therapieform bei den Patienten tatsächlich an. Das Prinzip der Achtsamkeit bringe eine wohlwollende Atmosphäre zwischen Therapeuten und Patienten mit sich.

Rüdiger Reise sieht noch weitere Vorteile: „Die Therapiemethode ist für die Patienten immer verfügbar und kostet nichts.“ Viele Betroffene kämen so finanziell mit dem aus, was sie haben. Das sei meist nur ein kleines Budget. Und das Wichtigste: Die Therapie mache schnell Erfolge sichtbar – eine weitere Motivation auf dem Weg in ein suchtfreies Leben.

Quelle: HNA

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