Kleine Gruppen starten schon im Frühsommer in Richtung Winterquartiere

Wegzug der ersten Zugvögel

Auffällig: Der Kiebitz ist die auffälligste Art und den schon früh wegziehenden Vögeln. Foto: privat

Schwalm. Während gerade die ersten Rosen blühen, der Frühsommer seinen Einzug hält und manche Langstreckenzieher noch aus dem Winterquartier eintreffen, machen sich die ersten anderen Zugvögel schon wieder auf den Weg dorthin. Warum tun sie das, nach unseren Maßstäben „mitten im Sommer“?

Der Kiebitz ist die auffälligste dieser schon früh wieder wegziehenden Vogelarten. In der Schwalm sammelten sich bis in die 1990er-Jahre um diese Zeit einige hundert Kiebitze. Aber auch heute, nach dem starken Rückgang der Art, können kleine Gruppen schon wieder Ende Mai und Anfang Juni auf frisch gemähten Wiesen beobachtet werden.

Ein anderes Beispiel ist der unauffällige Waldwasserläufer, ein unterseits weißer, oberseits dunkel schwarzbrauner Watvogel von Drosselgröße, und verschiedene seltene Entenarten wie die Schnatterente.

Der Grund für das frühe Zugverhalten ist einfach, aber unerwartet: Während für uns der Sommer gerade erst richtig beginnt, haben diese Zugvögel ihre Brut schon abgeschlossen oder häufiger wohl keinen Bruterfolg gehabt. Beim Waldwasserläufer lassen oft auch die Weibchen den Nachwuchs in väterlicher Obhut und machen sich schon allein auf den Weg nach Süden. In allen Fällen gilt eines der obersten Naturgesetze: Getrödelt wird nicht, Zeit ist zwar nicht Geld, aber Energie und Überlebensvorteil. Daher bleiben Vögel dieser Arten, die ihre Brutgeschäfte erledigt haben, nicht länger am Brutplatz, sondern fliegen schnell in Wegzugrichtung, oft in besondere Mausergebiete. Dort gibt es viel Nahrung und wenig Störungen, so dass sie die energieaufwändige Erneuerung ihres Federkleides unter möglichst guten Bedingungen durchführen können. Auch vom Star sind derzeit auf Wiesen und Weiden und demnächst in den Kirschbäumen größere Trupps von manchmal einigen hundert Individuen zu sehen. Dabei handelt es sich überwiegend um die selbstständigen Jungvögel der ersten Brut, die ebenfalls nach dem Motto „Zeit ist Überleben“ schon auf dem Weg in Richtung der Winterquartiere sind.

Aber keine Sorge: Auch für die meisten Vögel ist der eigentliche Herbst noch weit, manche Arten wie Sumpfrohrsänger oder Neuntöter kommen gerade erst aus ihrem Winterquartier in Südafrika zurück.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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