"Jeder ist immer herzlich willkommen"

Zu Weihnachten sind die Kirchen voll - obwohl Gemeinden schrumpfen

Wolfhager Land. Über das Jahr bleiben viele Kirchenbänke leer, zu Weihnachten kommen umso mehr in den Gottesdienst. Die Pfarrer freuen sich auch über die seltenen Gäste.

Gerade zu Weihnachten strömen viele Menschen in die Kirche, die sonst kaum einen Gottesdienst besuchen - auch im Wolfhager Land. Laut einer repräsentativen Studie des Marktforschungsunternehmens YouGov planen 28 Prozent der Deutschen an Weihnachten einen Kirchenbesuch. Gleichzeitig gaben nur zwei Prozent an, mindestens einmal pro Woche in die Kirche zu gehen.

„Weihnachten und Ostern sind die am besten besuchten Gottesdienste des Jahres“, sagt Harald Fischer, Dechant der katholischen Kirche Kassel. Das sei auch bei vielen Gläubigen der Fall, die sich bewusst als Christen verstehen. „Bei manchen ist der Kirchgang aber auch eine kulturelle Handlung aus Gewohnheit“, sagt Fischer.

Eine Entwicklung, die auch der Dekan des evangelischen Kirchenkreises Wolfhagen, Dr. Gernot Gerlach, sieht: „Unsere Gemeinden werden kleiner, weil Menschen sterben, wegziehen oder schlicht aus der Kirche austreten.“ Dennoch seien die Gottesdienste an Heiligabend die am besten besuchten des Jahres.

Für Wolfgang Hanske, evangelischer Pfarrer in Istha, ist das kein Problem: „Ich freue mich über jeden, der in die Kirche kommt.“ Dass die normalen Sonntagsgottesdienste weniger besucht seien, merke er schon seit Jahren. „Ich sehe das aber nicht negativ. Jeder ist immer herzlich willkommen“, sagt Hanske.

Eine Ansicht, die auch sein katholischer Kollege Johannes Kowal aus Naumburg teilt: „Ich kann die Leute nicht in die Kirche zwingen.“ Zu Weihnachten sei es aber so voll, dass Besucher stehen müssen. „Die Menschen werden aufgrund der Situation in der Welt zu Weihnachten nachdenklich und suchen die Ruhe der Kirche“, erklärt Kowal den Andrang. „Als Pfarrer ist das schön, und ich freue mich über jeden, der kommt.“ 

(dbr/dpa)

Quelle: HNA

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