Wandbilder aus Jesus‘ Leben

Rückershäuser Kirche: Weihnachtsgeschichte als Fresko

Doppelbild: Der linke Teil des Bildes zeigt Maria und Josef, über ihnen der Verkündigungsengel und der Stern zu Bethlehem. Das Jesuskind ist nicht mehr zu sehen, irreparable Feuchtigkeitsschäden haben das mittelalterliche Fresko von unten her zum Teil ausgelöscht. Die Szene im rechten Teil zeigt die Ankunft der Heiligen Drei Könige am Stall. Foto: aqu

Neukirchen. Bei Sanierungsarbeiten in den 70er Jahren wurde das Fresko rund um den Altarraum in der Rückershäuser Kirche wieder entdeckt, freigelegt und Jahre später fachgerecht nachgemalt.

Die Ergänzung rettungslos verwitterter Partien verbot sich dabei unter kunsthistorischen Apekten, so dass Teile insbesondere im bodennahen Bereich, wie vernebelt sind, Gesichter leer. Vieles andere ist sehr deutlich zu erkennen, trotzdem dauert die Deutung der Motive an, viele Fragezeichen bleiben bestehen.

„Man entdeckt immer neue Details“, erzählt Pfarrerin Sabine Georges, und weist auf zahlreiche Einzelheiten hin. Für die Pfarrerin ist es immer wieder etwas Besonderes, in der Rückershäuser Kirche Weihnachten beziehungsweise die Gottesdienste der Passionszeit zu feiern, inmitten der intensiven Darstellungen des unbekannten Malers aus dem 16. Jahrhundert.

„Das Rückershäuser Wandbild soll man wie einen Comicstrip lesen, der das Leben Jesu erzählt und in den Kontext der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen stellt“, erläutert Dekan Christian Wachter.

Deshalb seien Maria und Josef auch gleich zweimal zu sehen: Einmal im Kontext der Hirtenverkündigung und dann wird im nächsten Bild der Besuch der Weisen aus dem Morgenland geschildert.

Übertüncht wurden die Bilder laut Wachter im Zuge der sogenannten Zweiten Reformation („Bildersturm“ unter dem Landgrafen Moritz).

d freigelegt. Kunsthistorisch verbietet es sich (leider) die Bilder malerisch dort zu ergänzen, wo sie nun ihre Fehlstellen haben. Das macht es an manchen Stellen etwas schwerer, das Bild zu verstehen.

Doppelt ausgegrenzt. Zwei Mauern trennen die Heilige Familie von den Menschen in Bethlehem. So werden sie zu Außenseitern ihrer Gesellschaft. Uns allerdings, die wir das Bild betrachten, sind sie ganz nahe. Ihre Armut rührt uns an, die verfallene oder unfertige Herberge, die sie kaum schützt und mehr noch, dass Gott sich mit dieser Armut offenbart. Zwischen den beiden Mauern hört ein Hirte die eben diese frohmachende Weihnachtsbotschaft. Die Mauern sind fest und durchlässig zugleich.

Da sind Türen und zwischen den Mauern ist ein Weg, so dass die Menschen durchaus zueinander finden können. Der Weg zu Gott ist frei. Mit dem Engel, der den frohen Hirten die Weihnachtsbotschaft verkündet, ist ein Anfang gemacht. Er hilft uns Mauern zu überwinden in unseren Köpfen und Herzen. Er hilft uns Wege zu finden zu unseren Nächsten und zu Gott. Das Bild, das zu solchen Gedanken anregen kann, schmückt die Kirche in Rückershausen. Ein Künstler hat es im Jahre 1559 in der Tradition der alten Fresken gestaltet. In den frischen Putz hinein hat er seine Bildmotive gemalt. Auch den einfachsten Leuten, die nicht lesen konnten, sollte damit die biblische Botschaft erzählt werden.

Von Anne Quehl

Fotos aus der Kirche

Rückershäuser Kirche: Weihnachtsgeschichte als Fresko

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare