Wettschulden abgearbeitet

Weil sie nicht an den WM-Titel glaubte: Wabernerin musste Acker pflügen

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Einweisung im Schnelldurchgang: Christian Hetzel erklärt Simone Jungmann die wichtigsten Hebel und Schalter des Traktors. 

Unshausen. Es war aus einer Bierlaune heraus: Beim WM-Finale hat Simone Jungmann gewettet, dass Argentinien den Titel holt - und hat verloren. Zur Strafe musste sie jetzt einen Acker pflügen.

„Ich bin fix und fertig“, sagt Simone Jungmann und steigt vom Trecker. Die 38-Jährige braucht eine Pause. „Aber nur kurz, sonst wirst du nicht fertig. Drei Stunden brauchst du noch“, sagt Christian Hetze und blickt auf das drei Hektar große Feld vor ihnen. Jungmann ackert an diesem Donnerstagnachmittag bei Unshausen ihre Wettschulden ab - und pflügt den Boden um.

Es ist eine dieser Wetten, die aus einer Bierlaune heraus entstehen. Deutschland spielt im Finale der Fußball-WM gegen Argentinien. Beim Public Viewing in Unshausen fiebern die Fans mit. Auch Simone Jungmann drückt Jogis Jungs die Daumen. An einen Sieg glaubt sie aber nicht. Und so wettet sie gegen ihren Kumpel Markus Steinmetz. Der Einsatz: Wenn Deutschland verliert, putzt der Landwirt Jungmanns Wohnung. Geht der Pokal nach Deutschland, setzt sich Jungmann zum ersten Mal in ihrem Leben auf einen Schlepper und pflügt eines von Steinmetz’ Feldern um.

Keine Ausreden

Mario Götze trifft, Deutschland gewinnt und Simone Jungmann feiert mehr als ein Jahr später ihre Schlepperpremiere. „Ich habe mich da ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt“, erinnert sich Jungmann an ihren WM-Tipp. Aber Wettschulden seien eben Ehrenschulden. Und so lässt sie keine Ausreden gelten und steigt auf den Trecker.

„Am Anfang und Ende drücke ich auf die Schildkröte, in der Mitte auf den Hasen“, erklärt Simone Jungmann den Steuerhebel für die Geschwindigkeit. Sie wechselt in den Schildkröten-Modus. Der Schlepper wird langsamer, Simone Jungmann fährt zurück, wendet und dreht den Pflug. „Eigentlich kann ich es ja“, sagt sie und kontrolliert, ob der Pflug richtig steht.

Nach einer Schnelleinweisung durch Steinmetz-Mitarbeiter Christian Hetzel fährt sie Bahn um Bahn. „Nach der 800. Runde habe ich es gepackt“, scherzt Jungmann, die als Betreuerin an der Grundschule Wabern arbeitet. Unterstützt wird sie von Familie und Freunden. Sie machen es sich am Feldrand gemütlich, bauen einen Grill auf und packen die kühlen Getränke aus.

Jungmann würde es übrigens wieder tun: wetten und auch das Feld pflügen. Letzteres aber nur, „wenn der Markus wirklich in Not ist“.

Quelle: HNA

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