Weinlese auf dem Böddiger Berg: So viel Wein wurde lange nicht geerntet

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Bei der Weinlese: Auch die 14-jährige Larissa Krause aus Alheim-Obergude half mit.

Böddiger. Willi Salzmann kennt den Böddiger Berg wie seine Westentasche. Am Dienstag half er zum 19. Mal bei der Lese auf Hessens nördlichstem Weinberg. „Die Atmosphäre war hier schon immer gut“, sagt der Felsberger. 

Das ist wohl ein Grund, warum sich jedes Jahr rund 70 Freiwillige zusammenfinden, um die Trauben auf dem Böddiger Berg zu ernten. Bezahlt werden sie nicht – als Dank gibt es eine Flasche Wein aus dem Vorjahr. Aber um den Lohn geht es den Erntehelfern nicht. „Weinlese kann man nicht überall erleben“, sagte die 46-jährige Marion Bartholmai-Bläsing aus Gensungen, die zum ersten Mal auf dem Böddiger Berg dabei war. „Und es macht richtig Freude.“

Aktualisiert um 16:31 Uhr

Grund zur Freude hatte auch Klaus Stiegel, Vorsitzender des Fördervereins Böddiger Berg: „Nach drei mageren Jahren haben wir endlich wieder eine üppige Ernte“, sagte er. Acht bis neun Tonnen Trauben pflückten die Erntehelfer. „Das ist vergleichbar mit den Mengen, die wir in 2002 und 2003 hatten“, sagte Klaus Stiegel, Vorsitzender des Fördervereins Böddiger Berg. Etwa 8000 Flaschen Wein könnten aus den Trauben werden. „Außerdem wollen wir in diesem Jahr mal wieder Sekt machen“, sagte Stiegel – rund 1200 Flaschen. Aber natürlich ist nicht nur die Menge entscheidend: „Der Wein muss auch gut sein“, sagte Stiegel. „Das milde, sonnige Oktoberwetter hat uns da einen Qualitätsschub gebracht.“

Dabei hatte das Jahr gar nicht gut angefangen für den Wein: „Durch das kalte Frühjahr hat sich die Blüte des Weins verschoben“, erklärte Stiegel. Deshalb wurde in diesem Jahr später geerntet als sonst. Länger hätte man allerdings nicht warten dürfen, denn auch am Böddiger Berg hatte die Fäulnis eingesetzt. „In den südlichen Anbaugebieten musste man viele Trauben wegwerfen“, sagte Stiegel, „so weit ist es bei uns zum Glück noch nicht.“ Gekeltert werden die Trauben im Hessischen Staatsweingut Kloster Eberbach in Eltville. „Das muss spätestens am Mittwoch passieren, denn die Trauben verlieren in den Kisten Saft, der schnell anfängt zu gären“, erklärte Stiegel.

Um alle Trauben dorthin zu bringen, fahren in diesem Jahr drei Fahrzeuge mit zwei Anhängern nach Eltville. „Ich hoffe, dass wir damit hinkommen“, sagte Stiegel. Für die Erntehelfer gab es nachmittags noch eine Überraschung: Erstmals wurde ein Federweißer vom Böddiger Berg ausgeschenkt. (jul)

Weinlese auf dem Böddiger Berg

Quelle: HNA

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