Giesekings Jahresrückblick - bitterböse Satire und Mut zum Kalauer

Die Welt braucht Helden

Ab dafür: Gestenreich und mit Ironie präsentierte Bernd Gieseking seinen Rückblick auf das zuende gehende Jahr im Wolfhager Cinema-Kino. Foto: Sommerlade

Wolfhagen. Deutschland braucht wieder Werte und die Welt Helden. Diese aus dem fast abgelaufenen Jahr gewonnene Erkenntnis untermauerte Bernd Gieseking am Mittwochabend in seinem traditionellen satirischen Jahresrückblick „Ab dafür“.

„An der ganzen Sarrazin-Debatte sieht man, dass die Welt Helden braucht“, klärte der Kabarettist das Publikum im Wolfhager Kino auf. So wie Norbert Röttgen. Der hatte gesagt, er halte Westerwelle für irreparabel beschädigt. Röttgen habe Recht gehabt. Er habe sich trotzdem entschuldigt. „Das ist groß und heldenhaft!“ fand Gieseking und nutzte gleichzeitig selbst die Gelegenheit zur Entschuldigung. Nämlich bei Roland Koch. „Seit ich Sarrazin lese, finde ich Koch toll.“ Der sei jetzt ja leider weg. Jetzt blieben nur noch die anderen.

Von Politik bis Bier

Wie Brüderle. Und der bekam beim satirischen Rundumschlag des Ostwestfalen wie viele andere ebenfalls sein Fett weg. Wer nach dem so genannten Atomkompromiss sagt: „Sieger gibt’s nur eins: Deutschland!“, hat nach Giesekings Auffassung Bösartigkeiten dann wohl auch verdient: „Ich kenne viele deutsche Muslime, die sprechen besser. Den Brüderle holt auch noch mal der Sarrazin!“

Wortwitzig und gestenreich schlug er gleich darauf den Bogen von der Politik ins scheinbar Nebensächliche. So sinnierte er darüber, nach welchen Kriterien sich ein Biertrinker wohl für eine bestimmte Sorte entscheide? Und ob er sich im Hinblick auf die Wikileaks-Enthüllungen vielleicht doch als US-Diplomat bewerben sollte, da er doch eindeutig besser formulieren könnte? Oder ob das Buch, das man lese, mittlerweile wichtiger sei als das Auto, das man fahre?

Und nicht zuletzt gab er auch zum Besten, was sich regelmäßig in der Kölner „Fischlounge“ abspielt. Sehr zur Freude des Publikums. Mit den Erklärungsversuchen von Wirt Herbert und Stammgast Karl brachte er die Wolfhager Gäste zum Lachen. Ebenso wie mit den steten klugen Ratschlägen von Konfusion, des großen ostwestfälischen Weisen.

In einer Mischung aus bitterböser Satire und Mut zum Kalauer zog der Kabarettist seine Zuhörer zwei abwechslungsreiche Stunden lang in den Bann und bewies beim mittlerweile 17. Jahresrückblick einmal mehr, dass sich die zwölf Monate eines Jahres kurzweilig zusammenfassen lassen können. Termin: Nächste Veranstaltung im Wolfhager Kleinkunstprogramm ist Comedy mit Maddin Schneider am Freitag, 4. Februar, 20 Uhr, in der Kulturhalle. Vorverkauf: Buchhandlung Mander, HNA, Bürger-Service und unter www.kulturkarten.de

Von Martina Sommerlade

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare