Die Welt ist gelb, aber der Raps ist unschuldig

Rapsblüte

Fritzlar-Homberg. Die Welt ist gelb: Wer draußen sitzen will, muss ständig die Terrassenmöbel abwischen, die Fahrt mit dem Auto in die Waschanlage lohnt für höchstens zwei Stunden - Ärger über Raps. Doch Vorsicht mit diesen Schuldzuweisungen.

Der Raps kann nichts zu den gelben Wolken, die der Wind zurzeit durchs Land pustet. Es sind vielmehr die Birkenpollen, die gelbe Schichten auf allen Gegenständen verteilt.

Und die Birke bleibt nicht lange allein, denn bald kommen auch noch die Pollen von Fichten und Kiefern hinzu, sagt Alke Schrader von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Die ehemalige Lehrerin an der Fritzlarer König-Heinrich-Schule hat gerade erst den Pollenkalender studiert.

Den Raps, sagt sie, könne man für die gelbe Kalamität am allerwenigsten verantwortlich machen: „Weil der Raps von Bienen bestäubt wird, sind seine Pollen klebrig. Damit bleiben sie gut am Haarkleid der Biene kleben“, erklärt Alke Schrader.

Die Bienen streifen dann später mit den Hinterbeinen die anhaftenden Pollen ab. Oft sieht man dann, dass sie dicke gelbe Säcke an den Hinterbeinen tragen. Doch gerade, weil die Rapspollen so gut kleben, fliegen sie schlecht: Sie kommen keine zehn Meter weit, und das auch nur, wenn die Blüten schon vertrocknen. „Man muss schon mitten im Feld stehen, wenn man Rapspollen fliegen sehen will.“

In diesem Jahr sei die gelbe Schicht besonders auffällig, denn die Pollen blieben wegen der extremen Trockenheit besonders lange in der Luft. Allergiker merken das in diesen Tagen besonders stark. Denn auch wenn sich die Pollen im unsichtbaren Gleitflug befinden, so befinden sie sich in der Luft und man atmet sie ein. Sobald es endlich regnet, ist mit dem Pollen-Paragliding Schluss. Regen, sagt die Biologin Schrader, lässt Pollen nass und schwer werden und schlägt sie auf die Erde nieder.

Ein Ende der Pollenzeit ist aber noch nicht absehbar: Wenn Birke, Fichte und Kiefer alles abgeworfen haben, was die Welt gelb macht, kommen Gräserpollen (Getreide) nach. Für Allergiker heißt das vor allem eines: Hatschi.

Autohäuser hoffen auf Regen

Über 100 Fahrzeuge stehen auf dem Hof des Homberger Autohauses am Kreisel. Sie alle sind mit einer dicken gelben Schicht bedeckt. „Es sieht sich tatsächlich kaum eines mehr ähnlich“, sagt Kfz-Meister Gerd Röder. Doch eine wöchentliche Wäsche ist bei der hohen Zahl der Autos nicht möglich: „ Das wäre eine Mordsarbeit.“ Deshalb freue man sich im Autohaus am Kreisel wie die Landwirte und Förster auch auf Regen. „Der spült schon mal die gröbste Schicht ab“, sagt Röder. „Mal sehen, ob wir sie danach noch waschen müssen, damit man die Modelle wieder erkennt.“ (bra)

Hintergrund:

Pollen oder Blütenstaub ist eine mehlartige Masse und wird von Wind, von Wasser oder von Tieren wie Insekten und Vögeln verbreitet. Die Pollenkörner setzen nach Kontakt mit einer wässrigen Phase eine Reihe von Proteinen, Lipiden und Zuckern frei. Dabei kann es zu allergischen Reaktionen kommen. (bra)

Quelle: HNA

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