Start mit viel Witz und hohem Tempo

Melsunger Kabaretttage: Die Welt ist voller Rätsel

Großer Rundumschlag: Volker Weininger beleuchtete die Probleme seiner Welt – und die Mädchen seiner Jugend.

Melsungen. Die Welt wirft viele bizarre Fragen auf. Welch sinnfreie Verbindungen man herstellen kann, wenn man nur lange genug nach ihnen sucht, das machte Kabarettist Volker Weininger am Montag beim Start der Melsunger Kabaretttage deutlich.

Er zeigte in seinem Programm „Euer Senf in meinem Leben“, wie man groteske Antworten auf noch groteskere Fragen findet.

Haben Museen vielleicht nur deshalb montags zu, weil sie Friseurinnen, die ja montags frei haben, bewusst von Kunst und Kultur ausschließen wollen? Und hat denn die katholische Kirche kein Zeugenschutzprogramm, in das sie den Limburger Bischof Tebartz-van Elst nehmen und zum Einrichtungsexperten umschulen kann? Und wenn Fußball-Experten früher selbst Fußballer waren, bevor sie zu Experten wurden: Müssen dann nicht Terror-Experten vor ihrem Expertentum früher einmal selbst Terroristen gewesen sein?

Es dauerte ein wenig, bis der 42-Jährige das Publikum in der kühlen Melsunger Kulturfabrik warmgespielt hatte. Aber einmal auf Betriebstemperatur, kamen die eher behäbig gezündeten Pointen bei den 450 Zuschauern gut an.

Die amüsierten sich über seine Seitenhiebe auf C-Prominente mit mehr oder weniger viel Hirn. Da zitiert er die neureiche Familie Geissen, die fassungslos die Akropolis in Athen bestaunt: „Wie, dat Ding is‘ 2500 Jahre alt? Wie geht dat denn? Wir ham ja erst 2013!“

Den aktuellen Abhörskandal bewertete Volker Weininger übrigens eher positiv: „Ein Gutes hat die NSA-Affäre ja: Wir wissen nun wenigstens alle, dass die Kanzlerin keinen Terroranschlag plant.“

So gemütlich der Auftritt von Volker Weininger, so wahnwitzig die Show von „Onkel Fisch“. Das Herren-Duo im Anzug legte keinen Wert auf langsames Warmwerden: Es überrollte sein Publikum mit einer massiven Mischung aus Rap, Oper, Witz und Wahnsinn. Adrian Engel und Markus Riedinger sangen, tanzten und witzelten, als ginge es um ihr Leben. Das Duo zündete seine Gags an der ganz kurzen Lunte. Die prasselten so dermaßen aufs verdutzte Publikum, dass es oft erst mit Zeitverzögerung klatschen konnte.

Die beiden Sänger, Schauspieler, Parodisten und Kabarettisten erwiesen sich als Multitalente. Sie verglichen ein I-Pad mit einer Kreidetafel (einem so genannten „Dry-Pad“) und stellten fest - wen wundert‘s - dass das I-Pad leicht vorne lag. Aber auch nur, weil man sich da mit der neuen Plätzchen-App die Kekse selber ausdrucken kann - das seien dann Printen.

Und bevor noch der letzte Lacher verklingen konnte, tobten die beiden schon in ihrer selbstgeschriebenen Oper „Der Warnstreik im öffentlichen Dienst“ über die Bühne. Der Komponist: V.erdi.

Onkel Fisch gab alles. Und das war richtig viel. Manchem im Publikum vielleicht sogar zu viel.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare