Helga Pötter hütet wertvollen Schatz deutscher Filmgeschichte

Beachtliche Sammlung deutscher Filmgeschichte: Helga Pötter blättert gern durch ihre alten UFA-Filmprogramme. Foto: Hoffmann

Zierenberg. Lange Jahre lagen sie unbeachtet in einer alten Kommode. Ganz nah, und doch irgendwie fern. Vier unscheinbare Ordner, prallgefüllt mit Original-Filmprogrammen der goldenen UFA-Kinoära. 224 an der Zahl, fein säuberlich nummeriert und katalogisiert.

Es sind Helga Pötters „Schätzchen“, wie sie sagt. „Da hängt mein Herz wirklich sehr dran.“ Vergessen hat sie die Relikte ihrer Jugend nie, doch aber erst vergangenes Jahr wieder zurück in ihr Leben geholt. Da war mit Manfred Bettenhäuser ein bekannter Sänger in Zierenberg zu Gast, der mit Helga Pötter eines gemeinsam hat: die Leidenschaft für die Filme der UFA-Traumfabrik.

Die von Bettenhäuser vorgetragenen Lieder kennt Helga Pötter nur zu gut, bestimmten sie doch ihre Jugend im Frankfurt der Vorkriegszeit. Mindestens einmal die Woche ist sie ins Kino gegangen, manchmal auch öfter. „Wir hatten ja nichts anderes“, erinnert sie sich. Dafür habe sie auch schon einmal einen 45-minütigen Fußmarsch in Kauf genommen, „wenn die Straßenbahnen am Abend nicht mehr gefahren sind“. Es sei immer wie eine kleine Reise in eine andere Welt gewesen, in dieWelt von Stars wie Zarah Leander, Marika Rökk oder Ilse Werner.

Angefangen hat alles mit „Abenteuer eines jungen Herrn in Polen“, einem Film mit Gustav Fröhlich in der Hauptrolle, der sie 1935 nachhaltig beeindruckt hat. Pötter wüsste es wohl nicht mehr so genau, hätte sie nicht ihre Kinotagebücher geführt. In zwei kleinen Heftchen hat sie in alter Sütterlin-Schrift aufgeschrieben, wann sie welchen Film gesehen hat. Ordentlich durchnummeriert, führen die Einträge auch zum entsprechenden Fimprogramm in einem der vier Ordner. Zehn Pfennige hat sie damals dafür bezahlt, heute sind sie ein Vielfaches dessen wert. Für Helga Pötter aber sind sie unbezahlbar.

„Mit ihr konnte man immer so herrlich weinen.“

Ihre Augen strahlen, wenn sie im gemütlichen Wohnzimmer in der Oelshäuser Straße 6 durch die schwarz-weißen Heftchen blättert. Ob Johannes Heesters „Hochzeitsnacht in Paris“, Heinz Rühmanns „Der Gasmann“ oder „Gabriela“ mit Zarah Leander – sie hat sie alle gesehen. Besonders gern erinnert sich die heute 90-Jährige an Filme der Schauspielerin Christina Söderbaum: Es ist eine Mischung aus Freude, Sehnsucht und Schmerz, mit der Helga Pötter die UFA-Film-Kuriere betrachtet. Denn es sind nicht nur die schönen Erinnerungen, die damit verbunden sind, auch manch dunkle Nacht im Keller des Kinos wird wieder lebendig, wo sie und die anderen Kinobesucher später während des Krieges nicht selten ausharren mussten, wenn Fliegeralarm die Vorstellung vorzeitig beendete.

Seltene Unterschriften

„Das gehörte einfach dazu, damit mussten wir Leben“, sagt sie und blättert weiter. Dabei stößt sie auch auf einige Unterschriften der Stars von einst. Willi Birgel, Carola Höby. Sie alle waren da, im UFA Filmpalast am Eschersheimer Turm, und dann nutzte der Kino-Fan die Gelegenheit, holte sich ein Autogramm. Dass die mehr als sieben Jahrzehnte später Teil einer beachtlichen Sammlung deutscher Filmgeschichte sein würden, das hat Helga Pötter damals wohl nicht geahnt.

Quelle: HNA

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