Blinder präsentiert Welthits auf Schwälmer Platt

Die Musik im Blut: Der blinde Sänger Arno Knauf aus Zella macht Musik mit Texten in Schwälmer Platt. Foto: Göbel

Zella. Arno Knauf aus Zella ist von Geburt an blind. Die beiden Leidenschaften des 49-Jährigen sind die Musik und das Schwälmer Platt.

Für die HNA hat der Musiker den Weihnachts-Hit „Last Christmas“ in eine etwas andere Variante umgedichtet - in „De lessde Kresdog“, Last Christmas in Schwälmer Platt.

Wenn Arno Knauf über Musik spricht, wird er ganz aufgeregt. „Ich bin durch meinen Großvater zur Musik gekommen“, erinnert sich der blinde Künstler im Gespräch mit der HNA. Besonders schwarze Musik, vor allem Blues, Reggae und Weltmusik, haben es Knauf angetan. „Wenn ich mal härter drauf bin, höre ich auch schon mal HipHop“, berichtet der 49-Jährige, der in Zella lebt und beruflich in den Hephata-Werkstätten tätig ist.

Dass die meisten seiner Lieblingskünstler ihre Texte in englischer Sprache singen, hat Knauf schon immer ein wenig gestört. „Ich wollte unbedingt singen, aber eben anders.“ So kam er irgendwann auf die Idee, seine Songtexte auf Schwälmer Platt zu singen. „Wenn man von hier kommt, kann man sich dem Platt sowieso nicht entziehen“, sagt Knauf und lacht.

Er könne viele Instrumente spielen, aber keines richtig, sagt Knauf scherzhaft. Ob Keyboard, Schlagzeug oder afrikanische Trommeln - Arno Knauf geht es beim Musizieren vor allem um den Spaß an der Sache.

So ist es wenig verwunderlich, dass der 49-Jährige mit seiner Platt-Musik im Schwälmer Land längst kein Unbekannter mehr ist. Er spielt in mehreren Bands, bei Hokkescheeb, den Stracken, den Jukas und Katrin und den Quietschboys.

Auch eigene CD-Produktionen hat der Zellaer im Repertoire. 2007 ging seine CD „Summer i de Schwalm“ mehr als 600 Mal über den Ladentisch. 2012 folgte das „Schwälmerloand-Lied“, sein zweiter Tonträger in Schwälmer Platt.

Gern würde er noch mehr Musik machen. „Manchmal sprudelt die Kreativität aus mir heraus, dann bin ich nicht immer ausgelastet“ sagt der 49-Jährige.

Neben „Last Christmas“ hat Knauf mit „Bimmel Schäll“ auch den bekannten Weihnachtssong „Jingle Bells“ ins Platt übersetzt.

Schwer falle es ihm nicht, Texte ins Platt zu übersetzen. Wenn er mal nicht weiter weiß, fragt er seine Mutter oder seinen Bruder, die ebenfalls Schwälmer Platt sprechen.

Am Computer in seinem Musikzimmer übersetzt Knauf sich die Texte in Blindenschrift, um sie später im Studio aufzunehmen. „Am besten klappt die Aufnahme, wenn ich gar nicht weiß, dass jetzt aufgenommen wird“, erklärt der Musiker.

In der Region kann der 49-Jährige auf zahlreiche Auftritte zurückblicken. Eines seiner größten Erlebnisse sei dabei der Auftritt beim Fest der Begegnung in Treysa gewesen. Dort sang er gemeinsam mit einer Frauengesangsgruppe aus Kenia das Lied „Oh Happy Day“.

Die afrikanischen Klänge haben es Arno Knauf angetan. Seine Lieblingsband ist Susubilibi, Musiker aus Ghana und Togo, die in Deutschland leben.

Ob er nochmal die Nerven habe eine CD aufzunehmen, wisse er nicht, sagt Knauf. An Texten mangele es ihm aber nicht, davon hätte er noch „sehr viele zuhause in der Schreibtisch-Schublade liegen“.

De lessde Kresdog - Der vorige Christtag

Von Arno Knauf 

Chorus: De lessde Kresdog schängt ich da meng Hetz

Um nexce Dog gobbstdüs werre fott

Emm mich verm flenn zü behire, detzss Juhr kräits äwe e oana Mäche

Gebroandes Kend schicht doss fir

Ich hoal Obstond, doch dü gest ma nett äösem Kopp

Sprech ma Mähche, kennst dü mich ewwahöpt werre?

Naja, es is ja schu ewwa e Juhr här dos wongat mich gonett

Schine Kresdog, ich hatts igepackt un schu fotthgeschocht

Mett dä wädda ich hunn dich gän doss wor kinn Spass

Jetzt wess ich, wess ich woss fer in Olwet ich wor

Awwa däst dü uff mich uffbasse däst dü mich werre

zum Olwet mache

E vulle Stubb, läit mett mire öje

Ich löf ver de fott un dengem blede gemachts

Meng Gött, ich ducht dü wescht immets uff dennma

sich valesse kann

Ich? Ich wor nür e Schulla zümm öösblern

In Mensch dä dich wärklich gän hat

In man dä sich vasteggelt awwa dü höst mich zerresse

In Mensch jetzt wu ich dos Rechdiche gefonge hunn

gräist dü mich net mi dru

In Mensch dä dich gän hat un alles ver dich gemocht hött

In Gesechtsäösdrock vu innem Mensch dä dich gän hött

mett fier im Hetz ich schenkda mengs

In Mann däsich vasteggelt awwa dü höst änn zerresse

Do kräits äwe nechstes Juhr immens Onesch, machsgütt

Letzten Christtag schenkte ich dir mein Herz. Um mich vorm Flennen zu behüten, kriegt es dieses Jahr eben ein anderes Mädchen.

Gebranntes Kind scheut das Feuer, ich halte Abstand, doch du gehst mir nicht aus dem Kopf. Sag mal, Mädchen, kennst du mich überhaupt wieder? Naja, es ist ja auch schon über ein Jahr her, das wundert mich gar nicht. Schöner Christtag, ich hatte es eingepackt und schon weggeschickt, mit den Worten ,ich habe dich gern‘, es war kein Spaß. Jetzt weiß ich, was für ein Idiot ich war. Aber dass du auf mich aufpasst, macht mich wieder zum Narren. Ein volles Zimmer, Leute mit müden Augen, ich laufe weg vor dir und deinem blöden Verhalten. Mein Gott, ich dachte du wärest jemand, auf den man sich verlassen kann. Ich? Ich war nur eine Schulter zum Ausheulen. Ein Mensch, der dich wirklich gern hat, ein Mann, der sich versteckt, aber du hast mich zerrissen. Ein Mensch, jetzt, wo ich die Richtige gefunden hab, kriegst du mich nicht mehr dran. Ein Mensch, der dich gern hat, und alles für dich gemacht hat, eine Miene von einem Menschen, der dich gern hat, mit Feuer im Herzen, ich schenke dir meins. Ein Mann, der sich versteckt, aber du hast ihn zerrisssen. Da bekommt es eben nächstes Jahr jemand anderes, machs gut.

Quelle: HNA

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