Wenig Licht im Dickicht

Diskussion zur Homberger Stadtentwicklung war gut besucht

Reges Interesse: 250 Homberger kamen in die Stadthalle zur Diskussion über die Stadtentwicklung in der Kreisstadt. Fotos: Kasiewicz

Homberg. Wenn es nach Dr. Uwe Ferber geht, dann könnte es in Homberg bald aufwärts gehen. „Denen es am schlechtesten geht, die haben die besten Lösungen", sagte der Architekt, der am Donnerstag gemeinsam mit anderen Experten zur Stadtentwicklung auf dem Podium saß, und mit den 250 Hombergern darüber diskutierte, wie die Innenstadt wieder in Schwung kommen kann.

Und das war weder böse gemeint noch ein Scherz, sondern einfach Realität. Es müssten Ideen her und die sollten kreativ und mutig sein, um das Problem des Leerstandes in der Innenstadt zu lösen und Leben auf den Homberger Marktplatz zu holen.

Dabei diskutierten die Experten, ob es nun wichtiger sei, den Einzelhandel auf Vordermann zu bringen, den Tourismus oder das Wohnen in der Stadt wieder attraktiver zu machen. Jeder vertrat dabei ein bisschen sein Fachgebiet und machte es den Zuschauern nicht gerade leicht, einen Weg aus dem Problem-Dickicht zu erkennen.

Kann nun ein Einkaufszentrum in der Stadt die Lösung sein, oder altengerechtes Wohnen? Sollte man dafür in der Innenstadt alte Fachwerkgebäude abreißen, um Platz zuschaffen? Kann der Titel Reformationsstadt wirklich jede Menge Touristen anlocken?

All diese Ansätze wurden schon oft diskutiert, und wirklich neue Ideen kamen auch nicht auf. Auch die Tatsache, dass alle Homberger dahinter stehen müssten und wissen sollten, was sie wollen, wie Dieter Hennicken von der Universität Kassel meinte, war dem Publikum nicht unbekannt.

Dafür sei auch Vertrauen in die Politik erforderlich. Und das ist laut Dr. Klaus Lamprecht zurzeit nicht vorhanden. Auch in punkto Einzelhandel war man sich nicht einig: Martin Knauff vom Kaufhaus Sauer, meinte, dass viel Fläche für den Handel wichtig sei, um die Attraktivität zu erhöhen. Martin Schüler vom Einzelhandelsverband Hessen Nord will Leben in den Städten und keine reinen Museumsinseln.

Der Handel allein sei wiederum auch nicht die Rettung, auch wenn er wichtig sei, sagte Hennicken. Ohne ihn könne es keinen Tourismus geben, auch wenn man noch so attraktive Ideen für die Vermarktung der Reformationsstadt habe. Professor Ulrich Großmann, Direktor des Germanischen Institutes in Nürnberg, hob die Einzigartigkeit der Fachwerkensembles hervor und riet davon ab, Gebäude abzureißen, um den Charme nicht zu zerstören, wenn man Touristen in den Ort holen wolle.

Andere regten an, die Geschäfte zu Wohnungen umzubauen, wenn sie nicht vermietbar sein. Altengerechtes Wohnen in der Altstadt könne vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine Alternative sein. Auch von Büros, die mit Internet arbeiten, war die Rede.

Verantwortung übernehmen und an einem Strang ziehen - so lautete die Aufforderung von Professor Alexander Eichenlaub von der Uni Kassel. Er riet zu einem ausführlichen Stadtentwicklungskonzept unter Einbeziehung der Homberger. Aber auch das werde eine längere Zeit brauchen. „Stadtentwicklung ist keine Sache für eine Legislaturperiode“, sagte auch Dieter Hennicken. Er hatte eingangs auch darauf hingewiesen, wie sich Homberg in den vergangenen Jahren baulich verändert habe. Er war vor 14 Jahren an der Entwicklung der Kreisstadt beteiligt gewesen und lobte die Gestaltung des Marktplatzes und der Wallstraße sowie die Nutzung des Amtsgerichts als Ärztehaus. Das gebe es nicht überall. Die Stadt habe viel zu bieten.

Das geht mit dem Motto der Veranstaltung einher, die sich „Homberg lohnt sich“ nennt und Auftakt zur Stadtentwicklung sein soll. „Hoffentlich wird es dann konkret und nicht mal wieder nur viel geredet“, wie der Mühlhäuser Dietmar Groß meinte.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare