Finanzamtserie: Unzufrieden mit dem Steuerbescheid – Es herrscht großes Unwissen

Wenige erheben Einspruch

Das Finanzamt Schwalm-Eder bearbeitet etwa 500 Einsprüche im Jahr: (von links) Holger Thiem, Leiter der Rechtsbehelfsstelle, Alexander Porst, stellvertretender Amtsleiter und die Sachbearbeiterinnen Tanja Sommer und Julia Dörr. Foto:  Wagner

Schwalm-Eder. Die Steuerrückzahlung erscheint zu niedrig, die Nachzahlung zu hoch. Warum wurde der Anzug nicht als Arbeitskleidung vom Finanzamt anerkannt? Oder hat das Finanzamt etwas falsch berechnet? Nicht selten kommt es vor, dass der Steuerbürger mit dem Bescheid für seine Steuererklärung nicht einverstanden ist. Nach Eingang des Bescheides hat er vier Wochen Zeit, Einspruch zu erheben.

In den meisten Fällen legen die Menschen Einspruch ein, weil sie noch einen Rechnungsbeleg zu Hause gefunden haben, etwa eine Spendenquittung oder einen Fahrtkostenbon. Aber auch, wenn Kosten, wie für die Arbeitskleidung, nicht anerkannt wurden. „Das ist ein klassischer Fall: Jemand ist verwundert, dass das Finanzamt den Anzug fürs Büro nicht als Arbeitskleidung anerkennt. Aber nicht jede Kleidung, die bei der Arbeit getragen wird, kann auch von der Steuer abgesetzt werden“, sagt Holger Thiem, Leiter der Rechtsbehelfsstelle in Fritzlar. Dort werden die Einsprüche bearbeitet. „Es muss sich um spezielle Kleidung handeln, die privat nicht genutzt wird.“

„Viele Menschen verstehen den Steuerbescheid nicht.“

Alexander Porst, Stellv. Amtsleiter

Im Finanzamt Schwalm-Eder werden im Jahr 500 Einsprüche eingereicht. Bei 50 000 Steuerbescheiden, die das Amt jährlich rausschickt, ist die Zahl der Einsprüche damit sehr überschaubar. Geht der Einspruch beim Finanzamt ein, prüfen die Sachbearbeiter den Bescheid noch einmal komplett durch, sodass es auch zu einer „Verböserung“, wie es im Amtsdeutsch heißt, also zum Nachteil dessen, der Widerspruch eingelegt hat, kommen kann.

Einspruch zurückziehen

Dann steht der Betroffene trotz oder vielmehr wegen des Einspruchs schlechter als vorher da. Das Finanzamt muss aber den Einspruch-Steller auf die Verschlechterung hinweisen und ihm die Möglichkeit geben, seinen Einspruch zurückzuziehen.

Oft herrsche großes Unwissen, wenn es um den Steuerbescheid geht. „Viele Menschen verstehen den Bescheid nicht. Er ist kompliziert. Aber wenn wir alles erklären würden, wäre er schnell hundert Seiten lang“, sagt Alexander Porst, stellvertretender Leiter des Finanzamtes. Wer den Bescheid nicht verstehe, könne aber bei seinem Finanzbeamten um Erklärungen bitten.

Einspruch reichen überwiegend Arbeitnehmer, Rentner und Beamte ein. Selbstständige, Landwirte und Gewerbetreibende werden gesondert betrachtet. „Sie haben meistens einen Steuerberater beauftragt“, sagt Alexander Porst. Arbeitnehmer reichen oft einfach nur einen Stapel an Belegen ein, ohne zu wissen, was man steuerlich geltend machen kann.

Steuerpflichtiger muss zahlen

Egal, ob der Steuerpflichtige Einspruch einlegt oder nicht, er muss im Fall einer Nachzahlung zahlen. Gibt das Finanzamt dem Einspruch statt, wird dem Steuerzahler das Geld zurückerstattet.

Bleibt das Finanzamt dagegen bei seiner Sicht und lehnt den Einspruch ab, kann der Steuerbürger Klage beim Finanzgericht einreichen. Laut Statistik entscheidet das Finanzgericht in 70 Prozent der Fälle zu Gunsten des Finanzamtes.

Von Heike Wagner

Quelle: HNA

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