Gedenkstätte Breitenau zeigt Ausstellung über das Schicksal von Juden aus der Region

Nur wenige haben überlebt

Wurde 1938 abgerissen: Das ehemalige Kaufhaus Höxter in Homberg gehörte einer deutschen Familie jüdischen Glaubens. Foto: nh

Guxhagen/Homberg. Die Gedenkstätte Breitenau zeigt eine Ausstellung über jüdische Mitbürger aus Homberg und Bad Wildungen. Der Eintritt ist kostenlos. Die Ausstellung ist bis zum 6. September zu sehen.

Der Ausstellungsteil mit dem Titel „Das waren doch unsere Nachbarn!’ Zur Geschichte der Homberger Kaufmannsfamilie Höxter“ wurde von Thomas Schattner, Christiane Fäcke, Sandra Höxter und Schülerinnen und Schülern der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule erarbeitet. Sie haben die Geschichte der Familie Höxter und ihres ehemaligen Kaufhauses in Homberg detailliert nachgezeichnet.

Gefoltert und ermordet

Das Kaufhaus Höxter galt in den 20er- und 30er-Jahren als eines der modernsten und umsatzstärksten in der Textilbranche im Kreis Homberg. Doch den Höxters wurde zum Verhängnis, dass sie deutsche Bürger jüdischen Glaubens waren. Nach der Machtübernahme wurde die Familie enteignet, das Inventar versteigert und das Haus 1938 abgerissen. Julius Höxter wurde 1936/36 verhaftet und gefoltert, Robert und Selma Höxter wurden 1941 deportiert und in Litzmannstadt ermordet. Ihren Kindern Herbert und Beate sowie deren Cousin Helmut gelang die Flucht in die USA. Die letzte Nachfahrin der Familie, Sandra Höxter, hat an der Ausstellung mitgewirkt.

Der Ausstellungsteil „Ehemalige Bad Wildunger Juden und ihre Kinder im Interview“ von Johannes Grötecke zeigt, wie die Überlebenden und deren Nachkommen mit der Verfolgung, dem Schicksal ihrer Familien und der Flucht aus ihrer Heimat umgehen.

In Bad Wildungen haben vor der NS-Zeit 140 jüdische Bürger aus 40 Familien gelebt. Etwa die Hälfte von ihnen war bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges vor dem NS-Terror in alle Welt geflohen.

Nur eine Handvoll Wildunger Juden überlebte den Holocaust. Zurückgekehrt in die Badestadt, erfuhren sie das ganze Ausmaß der Tragödie. Was mag daraufhin in den Überlebenden vorgegangen sein? Die Texte der Ausstellung geben eine Ahnung davon.

Ein ganz anderes Verhältnis zu ihrer Heimatstadt haben Juden, die auswandern konnten. Viele ihrer Kinder forschen noch immer nach den Spuren ihrer Familien. Um ihren Wurzeln nachzugehen, reisen sie um die halbe Welt nach Bad Wildungen. Die Ausstellung zeigt die bei diesen Besuchen entstandenen Interviews. (red)

Quelle: HNA

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