Schul-Elternabende sind vor allem bei älteren Jahrgängen oft nur spärlich besucht

Wenn Eltern schwänzen

Anteil nehmen am Schulalltag: Karmen Kiefner engagiert sich und verkauft an der Drei-Burgen-Schule Felsberg in den Pausen Brötchen, Müsliriegel und Getränke. Organisiert wird die Verpflegung von Eltern. Archivfoto: Moriße

Schwalm-Eder. Viele Lehrer kennen das: Es ist mal wieder Elternabend, doch viele Stühle für Mütter und Väter bleiben leer. Vor allem bei Terminen für die älteren Jahrgänge scheint das Interesse von Eltern am Austausch mit den Lehrkräften gering.

Dabei bleiben oft gerade jene Erziehungsberechtigten fern, für die der Kontakt zur Schule besonders wichtig sei, sagt Carmen Grebe-Degtoumda, Schulpsychologin beim Staatlichen Schulamt in Fritzlar. „Das heißt aber nicht, dass sich allein durch den Kontakt der Eltern zu den Lehrern alle Schwierigkeiten lösen lassen.“

Wenn Eltern jedoch kein Interesse am Schulleben ihrer Kinder zeigen, kann sich das sogar negativ auf die Gesundheit der Schüler auswirken – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Krankenkasse AOK. Deren Befunde mag die Schulpsychologin zwar so nicht bestätigen. Überrascht sei sie über das Ergebnis aber nicht.

In der Krankenkassen-Studie heißt es unter anderem, dass sich häusliche und schulische Probleme gegenseitig aufschaukeln: „Die Kinder bringen von zu Hause ungünstige Voraussetzungen mit in die Schule, wo sich diese dann zu schulischen Problemen ausformen. Im schlimmsten Fall führen diese dann zu zusätzlichen Problemen in der Familie.“

Viele Gründe fürs Fernbleiben

Nach Angaben von Carmen Grebe-Degtoumda steckt allerdings nicht immer Desinteresse hinter dem Schwänzen von Elternabenden. Dafür gebe es auch andere Ursachen. Das reiche von persönlichen Problemen bis hin zum Zeitmangel, etwa wegen Schichtarbeit.

„Ob Erziehungsberechtigte an Elternabenden teilnehmen, hängt oft auch von den eigenen Erfahrungen ab, die sie mit Schule gemacht haben“, weiß Volker Wiegand, Leiter der Gesamtschule Melsungen. Wer selbst gern zur Schule gegangen sei, interessiere sich auch für Erziehungsfragen. Zurückhaltend seien hingegen diejenigen, die Schule als belastend empfunden hätten.

Generell gilt: Je älter die Schüler, desto geringer ist das Interesse der Eltern. Diese Beobachtung hat Thomas Wiegand, Leiter der Gesamtschule Guxhagen, gemacht. Die Elternabende für die 6. und 7. Klassen seien relativ gut besucht, bis zum Jahrgang 10 nehme die Beteiligung stark ab. Manchmal sei nur die Hälfte der Erziehungsberechtigten anwesend. Ausnahme seien Gymnasialschüler. Deren Eltern seien grundsätzlich stärker an Schulthemen interessiert, sagt Wiegand.

Dass Erziehungsberechtigte älterer Schüler ungern zu Elternabenden erscheinen, kann auch Heinz Meier, Direktor der Gustav-Heinemann-Schule in Borken, bestätigen. „Aber selbst bei den Fünftklässlern sind nie hundert Prozent anwesend.“ Sein Konzept: Spannende Themen sollen die Eltern locken.

Abende spannend machen

Ideen, wie man Eltern für das Geschehen in den Schulen interessieren kann, gibt es viele: Von Vorträgen über aktuelle Themen über Familienwochenenden bis zur ehrenamtlichen Mitarbeit in Cafeterien.

An manchen Schulen stecken diese Pläne noch in den Kinderschuhen, an anderen geht das Konzept bereits auf: An der Ursulinenschule in Fritzlar und an der Spangenberger Burgsitzschule etwa ist die Beteiligung an den Elternabenden nach Aussagen der beiden Schulleiter ausgesprochen gut. Artikel unten

Von Pamela de Filippo und Brigitte Müller-Neumann

Quelle: HNA

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