Wenn Eltern süchtig sind: Eine Betroffene erzählt

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Alkoholsucht: Darunter leiden nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Familien. Unterstützung bietet in solchen Fällen die Familienhilfe-Sucht. Foto: dpa

Schwalm-Eder. Was tun, wenn Eltern süchtig sind? Unterstützung bietet die Sozialpädagogische Familienhilfe-Sucht, die am Freitag ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Aus diesem Anlass haben wir mit einer Betroffenen gesprochen.

Wer Martina K. (Name von der Redaktion geändert) sieht, kann sich kaum vorstellen, dass er eine trockene Alkoholikerin vor sich hat. Die 42-Jährige aus dem Schwalm-Eder-Kreis sitzt in ihrem aufgeräumten Wohnzimmer und nippt an einer Tasse Kaffee. K. führt ein scheinbar ganz normales Leben. Doch vor einer Weile geriet dieses Leben aus den Fugen.

Als K. vor zwölf Jahren ihr erstes Kind tot zur Welt brachte, war nichts mehr wie vorher. „Ich habe danach massiv getrunken“, sagt sie. Irgendwie schien K. ihr Leben zwar wieder in den Griff zu bekommen. Nach einer Langzeittherapie blieb sie trocken, und auch ihr Kinderwunsch erfüllte sich: Sie bekam Zwillinge. Doch dann fing Martina K. erneut an, zu trinken - und nun litten auch ihre Kinder mit.

„Die Besuche geben mir Stabilität.“

Schließlich war es Martina K.s Mann, der sich 2012 an die Suchthilfe in Homberg wandte und um Unterstützung bat. „Die haben uns dann an die Familienhilfe verwiesen“, erzählt sie. Von sich aus wäre sie diesen Schritt nicht gegangen. „Ich habe die Hilfe erstmal abgelehnt.“

Einmal pro Woche kommt derzeit eine Mitarbeiterin der Familienhilfe zu Martina K. nach Hause. „Die Besuche geben mir Stabilität“, sagt K. „Aber ich musste mich erstmal daran gewöhnen, dass da jemand Fremdes regelmäßig in den eigenen Haushalt kommt“, schildert sie. „Richtig öffnen konnte ich mich erst, als ich trocken war.“

Doch dabei, vom Alkohol loszukommen, konnte ihr die Familienhilfe nicht helfen. „Das musste ich allein schaffen“, sagt sie, „da musste es in meinem Kopf klick machen.“ Klick machte es bei K., als das Jugendamt im vergangenen Jahr ihre Kinder aus der Familie nahm und bei den Großeltern unterbrachte. „Da wusste ich: Jetzt muss und will ich das schaffen“, erinnert sie sich. Zehn Wochen lang machte sie eine Therapie.

Die Mitarbeiterin der Familienhilfe unterstützte sie dabei, trocken zu bleiben. „Sie hat unangekündigte Alkoholkontrollen durchgeführt“, schildert Martina K. Doch vor allem kam die Sozialpädagogin, um mit K. und ihrer Familie zu sprechen. „Sie hat sich meine Position und die meines Mannes angehört und dann als neutrale Person was dazu gesagt“, erklärt K. „Das ist schon was anderes, als wenn ich zum Beispiel mit einer Freundin darüber reden würde. Man merkt, dass die Familienhilfe auf solche Fälle spezialisiert ist.“ Sie könne die Unterstützung der Familienhilfe „auf jeden Fall weiterempfehlen.“

Ab August wird die Sozialpädagogin nur noch alle zwei Wochen vorbeischauen. „Ich denke, dass ich bald ohne Hilfe zurechtkomme“, sagt Martina K. Ganz allein muss sie sich aber auch dann nicht fühlen, weiß sie: „Ich kann künftig bei Bedarf anrufen, wenn ich merke, es kippt.“

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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