Experte Roman Krettek erklärt in einem Seminar, worauf es beim Pilzesammeln ankommt

Wenn die Lamellenfarbe trügt

Zierenberg. Früher war das Pilzesammeln hauptsächlich Nahrungsergänzung der armen Bevölkerung in Notzeiten, heute hat es sich zum Hobby Naturbegeisterter oder kulinarisch Interessierter entwickelt. Allein in Deutschland gibt es etwa 7000 Arten Großpilze, was die Bestimmung einzelner Pilze nicht unbedingt vereinfacht.

Um künftig beim Sammeln auf Nummer sicher gehen zu können, haben am Wochenende zwölf Pilzfans im Naturparkzentrum Habichtswald ein Seminar bei Pilzberater Roman Krettek besucht. Die HNA sprach mit dem Experten.

Dieses Jahr gibt es schon besonders früh reichlich Pilze. Werden die Beratungen steigen und wann sollte man sich beraten lassen?

Roman Krettek: Bisher ist die Beratungshäufigkeit bei mir noch nicht gestiegen. Die meisten Pilzsammler gehen erst im Herbst sammeln. Eine früh einsetzende Pilzschwemme wird daher von vielen schlichtweg verpasst. Eine Beratung ist immer sinnvoll, wenn man in der Pilzbestimmung noch unsicher ist. Eine Liste der Pilzsachverständigen findet man unter www.dgfm-ev.de

Was müssen Pilzsammler denn beachten? Dürfen sie beispielsweise so viele Pilze mitnehmen wie sie möchten?

Krettek: Generell sollte jeder Pilzsammler sorgsam und schonend mit der Natur umgehen, also keine Pilze zerstören, aber auch die Wildtiere nicht unnötig beunruhigen. Darüber hinaus gibt es einige Pilzarten, die besonders geschützt sind. So dürfen beispielsweise Trüffel oder der seltene Kaiserling in Deutschland nicht gesammelt werden und etwa Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln, Birkenpilze nur für den eigenen Bedarf, bis ein Kilo pro Person. Die vollständige Liste geschützter Arten findet sich in der Bundesartenschutzverordnug. Wer seine Funde an ein Restaurant, auf dem Markt oder im Internet weiterverkaufen will, braucht immer eine Genehmigung der Naturschutzbehörde.

Reicht es, als Anfänger ein Bestimmungsbuch mitzunehmen?

Krettek: Um ein gutes Bestimmungsbuch kommt kein Pilzsammler herum. Jedoch darf man dem Buch nicht blind vertrauen. Bei der Wahl und Benutzung des Buches ist die Beratung durch einen erfahrenen Pilzsammler sehr hilfreich. Aber auch das beste Buch schützt nicht vor dem häufigsten Bestimmungsfehler: man nimmt sich im Wald zu wenig Zeit, die Texte aufmerksam zu lesen. Daher zu Hause alles nochmal in Ruhe nachbestimmen!

Welche Verwechslungen treten häufig auf?

Krettek: Die gefährlichste Verwechslung ist die zwischen Champignon und Knollenblätterpilz. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist die Lamellenfarbe: Champignons haben rosa bis braune Lamellen, Knollenblätterpilze weiße. Bei den Röhrenpilzen werden oft Steinpilz und Gallenröhrling verwechselt. Im jungen Zustand lassen sich beide schwer unterscheiden. Hier ist jedoch ausnahmsweise die Geschmacksprobe unschädlich, da der Gallenröhrling zwar ekelhaft bitter, aber ungiftig ist.

Unter den Pilzsammlern herrscht oft Uneinigkeit darüber, wie die Pilze am besten aus dem Waldboden zu entfernen sind. Gibt es auch dafür Regeln, oder kann ich die Pilze nach Belieben abschneiden oder abbrechen?

Krettek: Das Herausdrehen der Fruchtkörper ist die beste Methode. Abschneiden oder abbrechen ist nur sinnvoll, wenn man den Pilz bereits sicher kennt. Denn oft sind wichtige Bestimmungsmerkmale an der Stielbasis zu finden. Da der eigentliche Pilz als feines Geflecht in der Erde verborgen ist, spielt die Erntemethode für ihn keine Rolle.

Wie viele Giftpilze gibt es bei uns und wie gefährlich sind die?

Krettek: Die meisten Pilzvergiftungen entstehen durch zu alte Pilze und sind Lebensmittelvergiftungen. Häufig treten auch Beschwerden auf, weil zu viel von den schwer verdaulichen Pilzen gegessen wurde. Die Zahl echter und gefährlicher Pilzvergiftungen ist gering. Obwohl fast jedes Jahr einige Personen durch den Knollenblätterpilz sterben, können die meisten durch die moderne Medizin gerettet werden.

Bei den gefährlichen Pilzgiften bleiben aber Organschäden, meist an Leber und Niere zurück.

Quelle: HNA

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