Reinhard Platte leidet an unruhigen Beinen und will jetzt eine Selbsthilfegruppe gründen

Wenn Schlafen unmöglich ist

Setzt auf den Austausch mit Leidensgenossen: Reinhard Platte, der am Restless-Legs-Syndrom erkrankt ist. Foto: Schorn

Felsberg. Es ist wieder so ein Abend. Der Felsberger Reinhard Platte liegt im Bett, will nach einem harten Arbeitstag endlich schlafen. Doch sobald er zur Ruhe kommt, hat er starke Zuckungen in den Beinen, häufig verbunden mit Krämpfen und Schmerzen. Der einzige Ausweg: Nachts raus aus dem Bett, einige Runden um die Häuser laufen. Immer in Bewegung bleiben.

Reinhard Platte leidet seit 15 Jahren am „Restless-Legs-Syndrom“, sprich er hat rastlose Beine, wenn er zur Ruhe kommt. Beispielsweise wenn er zu lange auf einer Stelle steht oder eben wenn er schlafen will. Schlafmangel, Schmerzen und ein erheblicher Verlust der Lebensqualität sind die Folgen.

Schlaflose Nächte

„Seit zweieinhalb Jahren ist es richtig schlimm“, erzählt der 55-jährige Vater zweier Kinder und Opa dreier Enkel, der sich nun mit anderen Betroffenen austauschen möchte. „Vergangenes Wochenende musste ich wieder vier Mal nachts aufstehen und meine Beine bewegen, trotz der Tabletten. Manchmal würde ich mir am liebsten die Beine abschneiden“, beschreibt der B.Braun-Mitarbeiter sein Leiden.

Zehn Tabletten pro Tag

Von den Tabletten nimmt er mittlerweile zehn Stück am Tag, fünf verschiedene Sorten. Doch diese können die neurologische Erkrankung, bei der ein Defekt bei der Übertragung von Nervensignalen vorliegt, höchstens etwas lindern.

Schätzungen gehen von fünf bis zehn Prozent Betroffenen in der deutschen Bevölkerung aus. Aber nur bei ein bis zwei Prozent ist das Leiden behandlungsbedürftig. Dabei gibt es derzeit noch keine völlige Heilungschance.

„Ich war wegen der Krankheit schon zweimal im Krankenhaus und einmal in Kur“, sagt Platte, der offen über seine Krankheit spricht. „Ich kenne viele, die unter den gleichen Symptomen leiden. Aber viele wollen das nicht wahrhaben.“

Jetzt will der Felsberger eine Selbsthilfegruppe gründen. „Ich möchte mich mit Betroffenen austauschen, wissen, wie sie mit der Erkrankung umgehen“, sagt er. Deshalb wandte er sich an die Diplom-Sozialarbeiterin Tina Schmidt von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen beim Psychosozialen Zentrum (PSZ) in Melsungen.

„Es geht auch darum, dass die Betroffenen sich gegenseitig Mut machen“, erklärt Schmidt, die die Gründung der Selbsthilfegruppe begleitet. „Natürlich dürfen sich alle Menschen melden und an den Treffen teilnehmen. Auch Angehörige oder Menschen, die sich für die Krankheit interessieren.“

Das Gründungstreffen findet am Donnerstag, 2. Dezember, ab 18.30 Uhr im PSZ, Burgstraße 19 bis 21, in Melsungen statt.

Informationen: Reinhard Platte, Tel. 05683/300

Von Michael Schorn

Quelle: HNA

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