Nordhessische Förster entwickeln Strategien zum Ausgleich für Wetterextreme

Wenn der Wald Stress hat

Verwüstung: Wenn schwere Stürme künftig häufiger toben, wie der Weltklimarat voraussagt, werden derartige „Kahlschläge“ den Wald auch mehr schädigen. Dem wollen die nordhessischen Förster mit zwei Strategien entgegenwirken. Foto: nh

Wolfhagen. Starkregen, lang andauernde Trockenperioden, Wirbelstürme – laut dem Weltklimarat (IPCC) wird es immer öfter zu solchen Extremwetterereignissen kommen – auch in Europa. Weltweit beratschlagen Experten über die Reduktion von Treibhausgasen, um die ansteigenden Temperaturen so niedrig wie möglich zu halten. Doch welche Folgen haben Wetterextreme bereits heute für den nordhessischen Wald? Dieser Frage widmet sich Klimzug-Nordhessen.

„Solange nur die Temperatur moderat ansteigt, sollte dies kein Problem für den Wald sein. Wenn aber gleichzeitig, wie in den letzten Jahren, zusätzlich enorme Stürme auftreten und der Regen über lange Zeit ausbleibt, bedeutet dies für den Wald Stress“, so Uwe Zindel, Forstamtsleiter in Wolfhagen.

Der IPCC geht von einem Anstieg der Temperaturen von einem bis fünf Grad bis zum Jahr 2100 aus. Dies könnte fatale Folgen für den Wald haben. Denn der Großteil des nordhessischen Waldes besteht aus Buchen und Fichten und die sind ein feuchtes, eher kühles Klima und einen ausgeglichenen Wasserhaushalt in der Vegetationszeit gewöhnt.

Um den Wald an den fortschreitenden Klimawandel anzupassen, wird schon heute der Wald der Zukunft gestaltet. Die Projekte der nordhessischen Förster basieren hierbei auf zwei Strategien. • Mehrgenerationenwald: Ein Wald mit mehreren Generationen soll geschaffen werden. Hierfür werden gezielt junge zwischen alte Bäume gepflanzt. Damit die Bäume gleichzeitig mit genug Licht versorgt werden, entnehmen die Förster konkurrierende Bäume.

Auf diese Weise können die alten Bäume eine kräftige Krone entwickeln und junge Bäume können nachwachsen. Dieser Mehrgenerationenwald bietet einen größeren Schutz vor Stürmen und bewirkt gleichzeitig, dass die Böden weniger stark austrocknen. • Größere Artenvielfalt: Zum anderen setzen die Förster in Nordhessen auf eine höhere Artenvielfalt. „Wir fördern gezielt Arten wie beispielsweise Ahorn, Esche und Douglasie“, weil diese Arten besser mit Wasserknappheit umgehen können als Buche und Fichte“, erklärt Zindel. Hessen-Forst kooperiert hierfür mit Klimzug-Nordhessen, dem Klimaanpassungsnetzwerk für die Modellregion Nordhessen. Die Wissenschaftler von Klimzug erforschen das Wachstum des Waldes unter den neuen klimatischen Bedingungen.

Welchen Einfluss der Klimawandel auf den nordhessischen Forst hat, zeigt ein Film im Offenen Kanal Kassel am 29. Dezember, 19.30 Uhr, und am 30. Dezember, 15.30 Uhr. (red/bic) www.klimzug-nordhessen.de

Quelle: HNA

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