Wenn die Wohnung fehlt

+
Hilfestellung: Nicht nur persönlich helfen (von links) Corina Stehl und Albrecht Rehs Wohnungslosen in Fritzlar weiter. Eine neue Broschüre soll Betroffenen nun wertvolle Tipps geben. Darüber freuen sich auch Matthias Pohl und Margret Artzt. Foto: Yüce

Fritzlar-Homberg. Die Gründe, in die Wohnungslosigkeit abzugleiten, sind fast immer gleich: Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung oder Trennung, Schulden.

„Wohnungsnot ist nicht mehr nur ein Problem von Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben, sondern sie tritt auch verstärkt bei schwierigen persönlichen Lebensverhältnissen auf", erklärt Margret Artzt, geschäftsführende Pfarrerin des Diakonischen Werks im Schwalm-Eder-Kreis.

Ihre Erfahrung: Immer mehr Menschen im Landkreis sind wohnungslos. Eine Statistik darüber gebe es zwar nicht, doch zähle zum Beispiel die Berberitze (siehe Hintergrund) in Fritzlar mehr Wohnungsnotfälle.

Geeigneter Wohnraum sei für diese Menschen in einigen Städten des Landkreises zudem schwer zu finden, fügt sie an. „Er ist fast nicht zu finden“, betont Albrecht Rehs, Mitarbeiter der Berberitze. Vor allem betreffe der Mangel Wohnungen für ein oder zwei Personen, die den Richtlinien der Unterkunftskosten des Sozialamtes entsprechen.

Um so wichtiger werde es, Wohnungslose besser zu informieren. Dabei helfen soll jetzt eine neue Broschüre: Darin enthalten sind nützliche Hinweise für Menschen ohne feste Wohnung. Man erfährt, wie man sich um einen Schlafplatz kümmert, erhält Adressen von Anlaufstellen und Kontakte zu Ansprechpartnern und wird darüber informiert, welche Ansprüche bestehen.

Die Broschüre ist das erste Ergebnis des Runden Tisches Wohnen. Denn seit September treffen sich Vertreter einiger Ordnungsämter, der Sozialverwaltung und des Sozialpsychiatrischen Dienstes, des Jobcenters, von Wohnungsbaugesellschaften und des Diakonischen Werkes regelmäßig, um sich gegenseitig zu informieren, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Mit am Tisch sitzt auch Matthias Pohl. Er ist Mitarbeiter der Kirchlichen Allgemeinen Sozial- und Lebensberatung und moderiert den Runden Tisch.

„Der Informationsfluss wird besser. Wir merken, dass es etwas bringt, und das motiviert“, freut sich Pohl. Man werde zum Beispiel von den Kostenträgern wahrgenommen und als hilfreich empfunden. „Das ist eine gute Entwicklung“, betont Rehs. Dabei wird auch über den Tellerrand geblickt: „Wir informieren uns über die Zusammenarbeit in anderen Landkreisen“, sagt Rehs.

Er steckte die meiste Arbeit in die neue Broschüre. Ziel sei es immer, die Wohnungslosigkeit zu vermeiden und die Situation der Betroffenen zu verbessern, erklärt er. Dazu könne die Broschüre einen wesentlichen Teil beitragen.

Alle Städte und Gemeinden im Landkreis haben diese Broschüre erhalten. Sie kann zusätzlich über die Internetseite des Diakonischen Werkes heruntergeladen werden.

Nächstes Ziel der Arbeitsgruppe ist es, ein Ablaufschema für akut drohende Wohnungslosigkeit zu erarbeiten. Außerdem sollen weitere Einrichtungen (Gerichtsvollzieher und weitere Städte) einbezogen werden.

Nicht nur die Broschüre wurde vorgestellt, sondern auch eine neue Mitarbeiterin der Berberitze, Corina Stehl. Sie ist 43 Jahre, Diplom-Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin. Zuvor arbeitete sie für Hephata. www.dwsek.de

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare