Bad Emstal

Kinder lernen neues Sprechmuster am Institut der Kasseler Stottertherapie

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Lernen am Sprachcomputer: Luca Jany (links) absolviert derzeit im Bad Emstalter Institut eine zweiwöchige Stottertherapie, hat schon große Erfolge erzielt, wie auch Alin Güldas und Lucas Jozwik.

Bad Emstal. Es kann ganz schön frustrierend sein, wenn man im Eiscafé anstatt eines Stracciatella-Eises ein Erdbeereis bestellen muss, nur weil man das komplizierte Wort nicht über die Lippen bringt.

Luca Jany aus Immenhausen weiß nur zu gut, wie sich das anfühlt. Der Zehnjährige stottert, und das führt immer wieder zu Problemen in seinem Alltag. „Erst vor kurzem hatte ich mich in der Schule zum Vorlesen gemeldet, begann aber zu stottern, was mir sehr unangenehm war“, sagt der Schüler, der gerade im Institut der Kasseler Stottertherapie in Bad Emstal eine zweiwöchige Therapie absolviert.

Acht Tage ist er schon da, macht riesige Fortschritte und geht schon wesentlich selbstbewusster durchs Leben. Verstecken muss er sich nun nicht mehr, eine Gefahr, auf die Kristina Jung, therapeutische Leiterin der Kasseler Stottertherapie, zum morgigen Welttag des Stotterns hinweist: „Stotternde Kinder und Jugendliche tendieren dazu, sich abzukapseln oder nur das zu sagen, was sie einigermaßen flüssig aussprechen können.“

Chatten, simsen, mailen und twittern sei deshalb für sie eine willkommene Möglichkeit, sich noch mehr aus der sprechenden Kommunikation zurückzuziehen. „Das könnte zur Falle werden, da sich so das Stottern verfestigt, die kindliche Sprechfreude unterdrückt wird und die Kinder in einen Teufelskreis geraten“, sagt Jung.

Den Therapeuten der Kasseler Stottertherapie ist es wichtig, Eltern und Kindern zu vermitteln, dass Stottern nichts mit Dummheit zu tun hat. Stottern ist eine organisch bedingte Sprechbehinderung, die im Kindesalter erfolgreich therapiert werden kann. In einer kindgerechten Stotter-Therapie lernen Kinder und Jugendliche ein neues flüssiges Sprechmuster, wobei Sprechtraining am Computer, Sprechspiele, Körperwahrnehmungs- und Atemübungen abwechslungsreich gestaltet werden, die Lernerfolge in den Alltag übertragen werden müssen. „Dann ist es auch kein Problem, mal zu telefonieren anstatt zu chatten“, sagt Jung.

Entwickelte App

Kristina Jung

Verflucht wird die moderne Kommunikationstechnologie von der Kasseler Stottertherapie dennoch nicht, sie wird sogar in die Arbeit mit den Kindern integriert. So gibt es seit einiger Zeit mit „Fluxxy“ eine vor allem für die Jüngsten entwickelte App, mit der nun erste spielerische Erfahrungen im Umgang mit der eigenen Stimme gesammelt werde können. Eine ganz wichtige Voraussetzung für den weichen Stimmeinsatz, der Hauptbestandteil des Konzepts der Kasseler Stottertherapie ist. Das kleine Raumschiff wird allein durch die Lautstärke der Stimme gesteuert. Bei lauter Stimme fliegt „Fluxxy“ hinauf, wird sie leiser, sinkt es hinab.

Auch Luca Jany hat mit „Fluxxy“ viel gelernt, in Kombination mit der Therapie in Bad Emstal schon wirklich Erstaunliches erreicht. Erdbeereis jedenfalls musste er beim kürzlichen Eiscafébesuch nicht mehr essen, das wesentlich schwierigere Wort Stracciatella nämlich geht ihm mittlerweile schon ganz leicht über die Lippen. Und schmecken tut es auch.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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