Heidi Wiechert aus Nothfelden schwärmt für eine Bilderbuchwiese mit Fernblick

Wenn die Zeit still steht: Heidi Wiechert schwärmt für Bilderbuchwiese

Fast wie in Kanada: Heidi Wiechert genießt mit Hund Chio die Ruhe auf ihrer Bilderbuchwiese. Foto: zhf

Nothfelden. Die Zeit scheint stillzustehen. Nichts ist zu hören, außer dem Knacken trockener Äste unter den Schuhen und dem ein oder anderen Piepmatz, der im lauen Sommerwind fröhlich mit den Strahlen der Sonne um die Wette fliegt.

Der steinige Weg am Waldrand oberhalb von Nothfelden verliert sich immer mehr zwischen kniehohem Gras und wild wachsenden Büschen, gibt hier und da den Blick frei auf farbenprächtige Pflanzen. Das Waldvöglein etwa, eine seltene Orchideenart, oder frisch duftende Kräuter, die einem mit ihrem betörenden Bouquet den Weg hin zum von der Natur geschaffenen Tor zu weisen scheinen, durch das Heidi Wiechert so gerne zu ihrem Lieblingsplatz geht.

Es ist eine Wiese von naturbelassener Schönheit, die Wiechert als ihr „kleines Paradies“ bezeichnet. Grashüpfer tummeln sich neben seltenen Spinnenarten, Gräser und kunterbunte Blumen prägen das Bild. „Als ich vor gut 20 Jahren zum ersten Mal hier war, konnte ich diese Schönheit kaum greifen“, sagt die begeisterte Fantasy-Roman-Leserin, die über 15 Jahre die Wolfhager Stadtbücherei geleitet hat. Es sei wie in James Hiltons „Lost Horizon“ gewesen, wo die Protagonisten im Himalaya durch eine Felsgruppe hindurch in eine wunderbares Tal kommen. „So fühle ich mich auch noch heute, wenn ich durch mein Tor gehe.“

Oft zieht es die Nothfelderin hier her. Zum Nachdenken, manchmal auch einfach nur zum Seele baumeln lassen. Dann beobachtet sie stundenlang unzählige Schmetterlinge, die von Karde zu Karde flattern. Kleiner Fuchs, Kaisermantel, Schachbrettschmetterling - sie alle fühlen sich hier wohl, wie auch Heidi Wiechert. „Es bereitet mir einfach Freude, ihnen zuzusehen, sie zu fotografieren und vielleicht träume ich auch selbst manchmal davon, wie ein Falter ein wenig umherzufliegen, im Winde meinen Gedanken nachzugehen.“

Wenn sie ihren Blick über den Rödeser Berg zur Niederelsunger Freilichtbühne und weiter nach Oberelsungen in die Ferne schweifen lässt, weckt das nicht selten Erinnerungen an ihre Kindheit. Bis zum vierten Schuljahr hat sie in Kanada gelebt, unweit der Rocky Mountains. „Die weiten Felder, die Berge, die Bäume - zwar sind die Dimensionen viel kleiner, doch für deutsche Verhältnisse sieht es hier schon sehr kanadisch aus.“

Ihren Rückzugsort besucht die Naturliebhaberin zu jeder Tageszeit, doch abends empfindet sie es hier als besonders schön, wenn sich der Abendhimmel tiefrot färbt, die Landwirte am Horizont ruhig vor sich hin pflügen. Dann denkt Heidi Wiechert nach einem Tag im städtischen Kindergarten in Wolfhagen, wo sie mittlerweile arbeitet, wieder an den Roman von James Hilton. In dem nämlich scheint die Zeit stillzustehen - so, wie an ihrem Lieblingsplatz.

Quelle: HNA

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