Am Sonntag gab es Führungen in der Weberei Egelkraut und der Kunstblumenfabrik

Werkzeug liegt noch bereit

Gäste beim Blauen Sonntag: Giesele Belzner und Bernd Mehlhorn waren bei den Führungen mit von der Partie. Foto: Haaß

Trutzhain. Ein Stück Industriegeschichte aus und in der Schwalm entdeckten zahlreiche Besucher am Sonntag in Trutzhain.

Beim „Blauen Sonntag der Industriekultur“ hatten unter dem Motto „Faktor Mensch“ sowohl die Weberei Egelkraut wie auch die ehemalige Kunstblumenfabrik Lumpe ihre Werkstore weit geöffnet und knapp 300 Menschen nutzten bei angenehmen Temperaturen das Angebot.

Um eine Vorstellung von den aufwendigen Produktionsprozessen einer Kunstblume zu bekommen, wurden den Besuchern im Museum Trutzhain zunächst der Film „Blumen made in Trutzhain“ von der Filmemacherin J.C. Richter gezeigt, bevor es dann gemeinsam mit Renate Holtsche in das ehemalige Produktionsgebäude der Firma Lumpe ging.

Man hat das Gefühl, die Zeit wäre 2003, dem Jahr der Schließung, stehen geblieben. Noch immer steht der alte PC im Büro, Werkzeug liegt griffbereit auf den Werkbänken und die Stechuhr hängt neben der Eingangstür. Jeden Moment könnten die Arbeiterinnen und Arbeiter wieder mit der Produktion der filigranen Blumen beginnen. „Ich bin ganz überrascht über die vielen versteckten Sehenswürdigkeiten und die interessanten Geschichten in unserer Region“, so Katja Jäckel aus Frielendorf beim Rundgang durch die Kunstblumenfabrik.

Lebendige Technikgeschichte gab es auch rund hundert Meter weiter in der noch heute produzierenden Weberei Egelkraut zu bestaunen.

Ein bunt gemischtes Publikum nutzte die seltene Gelegenheit für einen Blick hinter die Kulissen.

Von der Studentin für Modedesign bis zum Rentner und ehemaligen Arbeiter aus der Weberei Salzmann waren alle Alters- und Interessenstufen vertreten.

Historische Maschinen des vergangenen Jahrhunderts und feine Stoffe gaben einen Eindruck von der industriellen Weberei, welche mittlerweile beinahe vollständig in den asiatischen Raum abgewandert ist. „Unsere Standbeine sind Karneval, Theater, Kirche und seit Kurzem auch die Klientel rund um die Mittelaltermärkte. Bei uns kann man noch alte Handwerkstechnik in Aktion erleben, unser jüngste Maschinen ist Baujahr 1962“, so Helmut Egelkraut.

Die von ihm und seinem Nachfolger Udo van der Kolk äußerst fachkundigen und kurzweiligen Führungen ließen immer genug Raum für Nachfragen, welche von den Besuchern gerne genutzt wurde.

Von Matthias Haass

Quelle: HNA

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