Zum ersten Mal ergründen Florian Müller und sein Helfer die Kanäle unter dem Dorf

Wernswigs dunkle Seiten - Mit einem Roboter in die Abwasserkanäle

Wernswig. Es gibt Orte, an die würden nur wenige freiwillig gehen, Abwasserkanäle gehören zweifelsohne dazu. In Wernswig hat das Ingenieurbüro Unger nun den Auftrag gegeben, die unbekannten Wege zu erforschen, die die Kanäle nehmen. Kanalinspekteur Florian Müller hat diese Aufgabe übernommen, ein kleiner Roboter, der Kra Ibak Kiel T 76.1 hilft ihm dabei.

Aller zehn bis 15 Jahre müssen die Rohre unter einer Stadt überprüft werden. „In Wernswig erfasse ich die Kanäle jetzt zum ersten Mal.“ sagt Florian Müller.

Rund 70 Zentimeter Durchmesser haben die Rohre unter Wernswig, da passt kein Mensch rein, deshalb übernimmt ein Gefährt mit Kamera die Entdeckungstour.

Ab in die Tiefe

Florian Müller schaut angestrengt auf eine Karte, auf der alle Kanäle eingezeichnet sind. Nicht gleich auf Anhieb findet er den Kanaldeckel, den er sucht. Diesen hatte ein Kollege vorher gereinigt. Mit aller Kraft stemmt der Inspekteur den Deckel auf und parkt sein orangefarben Kastenwagen davor. „Ich hoffe, jetzt kommt kein Bus“, murmelt er.

Dann geht es für den Kameraroboter ab in die Tiefe. An einer gelben Leitung lässt Florian Müller den kleinen Wagen in den Kanal. Sanft setzt er auf dem Grund auf.

Der Inspekteur setzt sich in sein Auto, darin sind mehrere Bildschirme, ein Computer und die Fernsteuerung. Leise rattert das Gefährt durch die Kanäle, der Inspekteur sieht alles in Echtzeit auf dem Bildschirm. Zentimeter für Zentimeter vermisst er Rohre, protokolliert jeden Schaden.

Teure Technik

Bis zu 500 Meter weit kann sich der Roboter fortbewegen, es ist das Vermögens eines Einfamilienhauses, das dort durch die Kanäle huscht. Nach zehn Minuten manövriert Florian Müller den Roboter wieder zum Ausgang, er springt aus dem Wagen und läuft dahinter.

Vorsichtig lässt der Kanalinspekteur das Gerät nach oben. Langsam kommt der kleine Roboter wieder an die Oberfläche. Er ist über und über mit einer undefinierbaren braunen Pampe bedeckt. Florian Müller zuckt mit den Schultern: „Soviel komme ich damit gar nicht in Kontakt.“ Der Kanalinspekteur nimmt eine Wasserpistole in die Hand und sprüht den Kamerawagen sorgfältig ab.

Noch schnell schraubt Florian Müller die Räder ab und verstaut den Roboter hinten im Wagens. Dort bleibt der Kra erst bis er am nächsten Tag wieder die Kanäle erkundet.

Quelle: HNA

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