Sparkassen-Forum mit dem früheren Bischof Wolfgang Huber, einem Vordenker in ethischen Fragen

Werte als Kompass des Lebens

Volles Haus beim Sparkassen-Forum in der Homberger Stadthalle: 450 Gäste hörten den Vortrag des Theologen und früheren Bischofs Wolfgang Huber.

Homberg. Zu echter Toleranz ist nur derjenige fähig, der weiß, wo er selbst steht. Ohne dieses Wissen wird aus Toleranz Gleichgültigkeit. Mit diesem Postulat brachte Prof. Wolfgang Huber, früherer Bischof von Berlin-Brandenburg und Ratspräsident der Evangelischen Kirche von Deutschland (EKD), seine Zuhörer in der Homberger Stadthalle zum Nachdenken.

Der bekannte evangelische Theologe, ein Vordenker in ethischen Fragen, beschäftigte sich als Gastredner in seinem Vortrag mit dem Wertewandel in unserer Gesellschaft. 450 Gäste hörten ihm zu, eingeladen hatte die Kreissparkasse Schwalm-Eder.

Über Werte zu reden, hieße in der Regel über den Werteverfall zu klagen, meinte Huber. Meistens werde der Werteverlust in der jüngeren Generation beklagt: ‚Früher war alles besser’. Aber die Klage über die jungen Menschen habe es schon 400 Jahre vor Christi Geburt gegeben. Beklagt würde wohl eher das Ungewohnte einer Lebensform als ein tatsächlicher Werteverfall in der Realität.

Aber wahrnehmbar sei ein Wandel der Werte in unserer Zeit, der vor allem geprägt sei durch Beschleunigung. Der Übergang in eine Informationsgesellschaft, die Globalisierung und der demografische Wandel trügen dazu bei, dass überlieferte Wertbindungen sich auflösten. Wenn Jugendliche mehr Zeit vor dem Bildschirm als mit Familie und Freunden verbrächten, nähme die Zeit zur Wertebildung und Wertebindung ab.

Der demografische Wandel trage dazu bei, dass sich die Gesellschaft als älter werdend empfinde und pessimistisch in die Zukunft schaue, sagte Huber. Und trotz des aktuellen Wirtschaftswachstums komme kein positives Grundgefühl in der Gesellschaft an.

Huber merkte an, dass sich der pessimistische Blick oft auf die Zuwanderer, auf Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund und höheren Geburtenraten richte. Dabei werde die Vielfalt der Gesellschaft aber meistens nur unter dem Merkmal der Religionszugehörigkeit beschrieben. Das sei jedoch eine nicht zulässige Vereinfachung, mahnte der Theologe. Alle Menschen seien vielschichtig, eine Begrenzung der Wahrnehmung auf nur ein einziges Merkmal wie der Religionszugehörigkeit verschärfe nur den Konflikt

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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