Bäckergeselle Falk Henke aus Wettesingen geht auf die Walz

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Bannkreis: Seinem Heimatort darf sich Falk Henke – hier noch im elterlichen Garten – drei Jahre und einen Tag lang nur bis höchstens 50 Kilometer nähern.

Wettesingen. Mit dem obligatorischen Ring des Wandergesellen im linken Ohr, dem Stenz (Wanderstab) in der Hand und dem Charlottenburger (geschnürtes Gepäck) auf dem Rücken zieht Falk Henke am Montag gegen 11 Uhr von Wettesingen hinaus in die Welt.

Fürs erste zu Fuß. Mindestens drei Jahre und einen Tag darf sich der 27-Jährige seinem Heimatdorf nicht nähern. So will es die Tradition. Denn der junge Bäcker- und Konditorgeselle hat einen weitreichenden Entschluss gefasst: Er geht auf die Walz. Für seine Zunft eine Rarität.

Ein einmaliges Ritual spielt sich heute Vormittag am Ortsausgang nach Oberlistingen ab. Angehörige und Freunde hieven den angehenden Wanderburschen auf die Ortstafel, von wo Falk einen letzten Blick auf Wettesingen werfen darf. Dann muss er nach vorne schauen – und springen: in die Arme seiner neuen „Familie“ aus Wanderburschen und in die Ungewissheit eines dreijährigen Abenteuers. Auf seiner laminierten Deutschlandkarte schließt sich ein rot markierter Ring um den Heimatort, der Bannkreis beträgt 50 Kilometer. Er spielt keine Rolle mehr, wenn der Junggeselle erst mal seine ins Auge gefassten Ziele erreicht hat. England, die Schweiz als Land der Patisserie, Österreich, Südeuropa, zählt Falk auf, und ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

Der Wettesinger trägt die schwarzweiß karierte Kluft der Bäckerzunft, auf dem Kopf den Schlapphut des Wanderburschen im ersten Jahr. Im schmalen Gepäckbündel steckt das Wanderbuch und an Geld nicht mehr als ein Fünf-Euro Schein. Falk wird sich in fremden Backstuben verdingen für Kost und Logis.

Tschüss Wettesingen: Über Oberlistingen geht es für Falk Henke (rechts) und Marc Mundri zu noch unbekannten Zielen hinaus in die Welt. Marcs Zylinder steht fürs bereits dritte Wanderjahr, Falk trägt noch Schlapphut.

Marc Mundri ist nach Wettesingen gekommen, um seinen Berufskollegen abzuholen und auf der ersten Etappe seines Weges zu begleiten. Der 24-Jährige aus Everswinkel bei Münster ist Falks Exportgeselle. Zweieinhalb Jahre befindet er sich bereits auf Wanderschaft, verbrachte allein fünf Monate in Neuseeland und will bald Lateinamerika ansteuern. Schon auf der so genannten Losgeh-Party für Falk, zu der noch weitere Handwerksburschen nach Wettesingen gepilgert waren, waltete der Exportgeselle seines bedeutsamen Amtes: Buchstäblich nagelte er den Neuen auf das Befolgen von Sitten und Gebräuchen der traditionellen Wanderschaft fest, als er ihm den obligatorischen Ring ins Ohrläppchen schlug.

Respekt vorm Unbekannten

Unerschrocken, aber mit Respekt vor dem Unbekannten startet Falk in den neuen Lebensabschnitt, der ihm auch Nächte im Hotel der tausend Sterne bescheren wird. Was ihn zur Wagnis der Walz bewogen hat? „Abenteuerlust auch, vor allem aber der Wille, in meinen beiden Berufen noch dazuzulernen.“

Falk und Marc ziehen los. „Erst mal Richtung Norden“, sind sie sich einig. Vielfach begleitet sie der Wunsch für eine „fixe Tippelei“. Gute Reise.

Von Dorina Binienda-Beer

Quelle: HNA

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