Ein Sagenbuch aus dem Jahr 1885 erzählt spannende Geschichten aus der Region – Ärger auch in Jesberg und Remsfeld

Als die Wichtel noch Kinder raubten

Sie sehen so harmlos aus: Wichtel stahlen dem Sagenbuch nach nahe bei Welferode einem Bauern sein Kind. Das seltene Fotodokument zeigt, dass die kleinen Wesen auch musikalisch sind. Foto: Dellit

Welferode. Zu den vielen geheimnisvollen Gestalten, die in der Region ihr Unwesen trieben, gehörten auch Wichtel. So berichtete es Hermann von Pfister in „Sagen und Aberglaube“ aus dem Jahr 1885.

Gnadenlos ging das Wichtelvolk in Welferode zu Werk. Ein Bauer namens Groß war an den Berg gegangen, um mit seiner ganzen Familie die Ernte zu erledigen. Während die Familie abgelenkt war, stahlen die Wichtel sein Baby und legten ein Wichtelkind an seine Stelle. Das kleine Wesen sprach kein Wort, es weinte nicht einmal.

Doch man gab der Familie Groß einen Rat, wie man erkennen könne, ob es sich wirklich um ein Wichtelkind handelte. Sie setzten sich also ans Feuer und redeten allerlei Unsinn, darunter die Behauptung, sie wollten nun in Eierschalen Bier brauen.

Mit Gewalt

Da reichte es dem Wichtelkind. „Bin ich doch schon so alt worden, und weiß das nicht!“, verkündete es und war enttarnt. Nun ging es darum, wie man den ungebetenen Gast wieder loswerden könne. Die Welferöder Familie wurde gewalttätig, sie „schlugen das arme Ding oft unbarmherziglich; dann hörten sie es brausen und brummen in der Luft – doch nie schrie oder redete das Wichtlein.“

Schließlich hatte die Wichtelmutter Erbarmen. Sie warf den Bauern deren Kind hin und nahm ihr eigenes wieder mit. Die Sache mit dem Kindertausch probierten die Wichtel gerne und häufig; sie hofften, dass ihre eigenen Kinder größer und würden, wenn der Mensch sie großzog. Der Begriff „Wechselbalg“ ist bis heute geläufig.

Ärger gab es mit den kleinen Gestalten auch in Remsfeld. Dort sollte eine Kirche ausgerechnet auf den Wohnungen der Männlein errichtet werden, was diesen so gar nicht gefiel.

Sie schleppten alles weg

So schleppten sie des Nachts die Baustoffe immer fort und legten sie auf einer Anhöhe am Wald ab. Dort, so fanden die Wichtel, wäre der bessere Platz für die Kirche.

In Jesberg ist jedes Jahr in der Christnacht ein Wichtel zu beobachten, der als Licht am Silberberg auftaucht, ins Dorf wandert, zum Berg zurück zieht und an einem einsamen Baum verschwindet. „Die Leute meinen, es sei ein Wichtel, der zum Heilande wolle“, schreibt von Pfister.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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