Wicker-Streik: 50 Briefe an den Chef

Bunter Protest: Insgesamt 100 Wicker-Mitarbeiter nahmen an dem Warnstreik teil. Fotos: Zerhau

Bad Zwesten. In wenigen Tagen wird Werner Wicker in seinem zu Hause in der Schweiz 50 Briefe bekommen. Es sind ganz persönliche Briefe von 50 seiner Mitarbeiter. Darin schildern sie ihre Lebenssituation, machen deutlich, dass sie auf die Straße gehen und streiken, weil es für sie um ihre Existenzen geht.

Gemeinsam haben die Mitarbeiter ihre Post am Montagmorgen in Bad Zwesten zur Post gebracht.

Ihnen geht es mit ihrem Warnstreik um einen Tarifvertrag für die 700 Beschäftigten der drei Bad Zwestener Kliniken. „Die Einkommenssituation ist für viele sehr kritisch geworden“, sagt Verdi-Mitglied und Betriebsratsvorsitzender Manfred Brauns, Mitarbeiter der HWK 2.

Viele der Angestellten hätten bereits einen Zweitjob. „Weil das Gehalt zu gering ist“, fügt er an. Vermutlich wisse Werner Wicker, der in der Schweiz lebe, gar nicht, wie es seinen Mitarbeiter geht.

Lebenssituation geschildert

Ab geht die Post: 50 Kollegen haben Werner Wicker 50 persönliche Briefe geschrieben.

„Deshalb haben wir uns zu der Brief-Aktion entschlossen“, sagt Brauns. Die Hoffnung der Streikenden: „Wir hoffen, dass sich Herr Wicker mit uns an den Verhandlungstisch setzt, wenn er unsere Lebenssituation besser nachvollziehen kann“, sagt Brauns. „Es geht uns nicht darum, Luxus zu finanzieren.“ Das Gegenteil sei der Fall, das Geld reiche nicht zum Leben.

Und weil sich die Wicker-Mitarbeiter um ihre Zukunft sorgen, werden sie nicht müde und gehen weiter auf die Straße. Seit November laufen immer wieder Protestaktionen. Doch bislang ohne Erfolg. Bislang verweigere der Wicker-Konzern jegliche Verhandlungen mit der Gewerkschaft.

Jetzt werden ihre Proteste der Mitarbeiter immer bunter. In Bad Zwesten hatten sie neben Plakaten auch viele bunte Luftballone dabei. Die ließen sie mit der Bemerkung steigen: „Ballone steigen, die Gehälter jedoch nicht.“ An denen befestigt waren kleine Kärtchen. Darauf wurde Geschäftsführer Werner Wicker aufgefordert, seinen Beschäftigten den gleichen Lohn zu zahlen, wie ihn Kollegen in anderen Kliniken auch bekommen. So verdiene beispielsweise eine Krankenpflegerin im Jahr bis zu 10 000 Euro weniger als in vergleichbaren Kliniken.

Quelle: HNA

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