Große Ähnlichkeit

Wie Wölfe: Frau aus Treysa hat Hunde der seltenen Tamaskan-Rasse

Treysa. Wenn Gabi Turbanisch aus Treysa ihre beiden Hunde spazieren führt, wird sie oft von anderen Leuten angesprochen, ob sie denn wirklich zwei Wölfe an der Leine habe.

Bernsteinfarbene Augen, dickes Fell, buschiger Schwanz: Auf den ersten Blick sehen die Tiere Dakota und Tammy dem Wolf tatsächlich täuschend ähnlich. Doch in Wirklichkeit sind sie ihm bloß nachempfunden. Die äußerst seltene Rasse, der Dakota und Tammy angehören, nennt sich Tamaskan. Von den optisch dem Wolf nachempfundenen, aber mit den Charaktereigenschaften eines Haushundes gezüchteten Tieren, gibt es bundesweit gerade einmal 176 Exemplare. In der Region gibt es sonst nur noch in Malsfeld zwei dieser Tiere.

„Mein Mann und ich sind große Wolf-Fans, wir waren schon immer von der Optik angetan“, berichtet Gabi Turbanisch gegenüber der HNA. Wie es der Zufall will, traf das Paar auf einen Mann, der von Tamaskanen schwärmte. „Wir wussten erst mal nichts mit der Rasse anzufangen, haben uns dann aber informiert und waren sofort hin und weg“, schwärmt die 53-Jährige.

Liebe auf den ersten Blick: Gabi Turbanisch aus Treysa ist bekennender Wolf-Fan. Mit ihren beiden Tamaskan-Hunden Dakota und Tammy hat sie zwei Exemplare, die dem Wolf zumindest optisch täuschend nahe kommen.

Im April 2015 war es dann soweit. Gabi Turbanisch erhielt die Information, dass bei einem Züchter im Taunus ein Tamaskan-Wurf bevorsteht. So kam die damals neuneinhalb Wochen alte Hündin Tammy in die Familie, die in der Treysaer Steingasse die Dampfbar betreibt. Um die unbekannte Rasse populärer zu machen, gründet die Hundeliebhaberin schließlich die Facebook-Seite „Schwalmwölfchen“. Dort wird sie dann auch schnell auf eine weitere Züchterin aufmerksam. So stoßt mit Dakota im November 2016 ein weiterer Tamaskanhund zu ihr.

Erst 2008 wurde der erste Tamaskan nach Deutschland geholt, das war der Startschuss für die Zucht. „Es ist quasi ein Wolf ohne Wolfanteil“, erklärt Gabi Turbanisch. Denn von seinem Wesen her ist der Tamaskan ein typischer Familienhund. „Sie sind bestens sozialisiert, allerdings haben Tamaskane auch ihren eigenen Kopf“, erläutert die 53-Jährige. Denn der Tamaskan gilt als sehr intelligent. So hinterfragt er auch schon mal Anweisungen. „Es kommt darauf an, ob der Hund die Anweisung für sinnvoll hält. Wirft man einen Ball, holt der Tamaskan ihn freudig zurück – mit Glück auch ein zweites oder drittes Mal. Danach ist aber Schluss und der Hund stellt sich auf stur“, verdeutlich Gabi Turbanisch.

Andererseits seien Tamaskane auch sehr sensible Tiere, wollten Aufmerksamkeit geschenkt bekommen und suchten auch schon mal selbst nach Nähe. Auch mit anderen Hunden vertragen sich die Tamaskane gut.

Ein solch besonderses Exemplar zu bekommen, ist momentan noch ziemlich schwierig – auch wenn die Rasse auf dem Vormarsch sei, wie Gabi Turbanisch weiß. Die Wartezeit auf einen Tamaskanwelpen beträgt etwa zwei bis drei Jahre. Im nächsten Jahr soll es dann auch bei Familie Turbanisch soweit sein: „Wir wollen mit unserer Tammy nächstes Jahr züchten“, verrät Gabi Turbanisch.

• Der gemeinnützige Verein Interessengemeinschaft Tamaskan feiert am 20. Mai sein Sommerfest in Neukirchen. Erwartet werden bis zu 30 dieser schönen Tiere. Passenderweise findet das Treffen im Wirtshaus Zum hungrigen Wolf statt.

Tamaskan in Zahlen

1 Tamaskan existiert laut Datenbank in Mexiko. Auch im Libanon, auf den Seychellen und auf Neuseeland lebt jeweils nur ein Tamaskan-Hund. 

2 bis 3 Jahre beträgt aktuell die Wartezeit für einen Tamaskan-Welpen in Deutschland. Wer sich also einen solchen anschaffen möchte, muss vor allem Geduld aufbringen. 

5 Nordische Hunde (als Husky-Typ beschrieben) wurden einst nach Großbritannien importiert und dort später mit Sibirischen Huskies, Alaskan Malamutes und Deutschen Schäferhunden gekreuzt, dann nach Finnland exportiert und dort mit weiteren wolfsartigen Hunden gekreuzt. Geboren war der Tamaskan. 

50 Kilogramm kann ein ausgewachsener Tamaskan-Rüde auf die Waage bringen, bei Hündinnen sind es bis zu 40 Kilogramm. 

84 Zentimeter kann die Widerristhöhe bei Tamaskanen betragen. Der Widerrist ist der erhöhte Übergang vom Hals zum Rücken bei Vierbeinern. 

176 Tamaskan-Hunde gibt es aktuell laut Tamaskan-Datenbank in der Bundesrepublik. Mit der Züchtung der Tamaskane wurde in Deutschland erst im Jahr 2008 begonnen. 

272 Tamaskane leben in den USA. Die Vereinigten Staaten sind damit das Land, mit den meisten Tamaskanen, gefolgt von Deutschland und Großbritannien. 

943 Exemplare der optisch wolfsähnlichen Hunde zählt die Datenbank aktuell weltweit. 

Quellen: www.tamaskan-vom-rotkäppchenland.de; www.tamaskan-database.com; www.tamaskan-germany.de

Hintergrund: Rasse mit junger Geschichte

Der Tamaskan ist eine von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) nicht anerkannte Hunderasse. Sie stammt aus Finnland und wurde mit dem Ziel gezüchtet, der Wildform der Tierart Hund, also dem Wolf, so ähnlich wie möglich zu sehen, ohne dabei die positiven Eigenschaften eines Haushundes zu verlieren. Im Juli 2008 kam der erste Tamaskanrüde nach Deutschland. Im Sommer 2009 folgte eine Tamaskanhündin. Mit ihr startete die Tamaskanzucht in Deutschland. Mittlerweile leben hier 176 Hunde. 

Der Tamaskan gilt als intelligent und arbeitsfreudig. Er ist nicht gern allein und braucht als Arbeitshund Beschäftigung und Auslastung. Sie sind als Familienhund, Schlittenhund, Fährtenhund und Packhund geeignet. Ursprünglich wurden die Hunde als „Wolf-Hund“ bezeichnet. Da dieser Name aber zu Missverständnissen führen konnte, wurde die Rasse 1988 zu Northern Inuit umbenannt, 2006 in Tamaskan Dog Register. Das Wort Tamaskan kommt aus der Sprache der nordamerikanischen Ureinwohner und bedeutet „mächtiger Wolf“.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Göbel

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