Am Bahnhof leuchtet’s rot

Wie rollstuhlgerecht ist Schwalmstadt? Interaktive Karte "Wheelmap" gibt Auskunft

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Die Wheelmap-App soll Abhilfe schaffen: Für Menschen in Rollstuhl kann die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, gastronomischen Einrichtungen und Geschäften zu einer echten Herausforderung werden. 

Schwalmstadt. Viele Menschen setzen sich momentan dafür ein, dass der Treysaer Bahnhof doch noch in absehbarer Zeit barrierefrei umgebaut wird. Aber wie sieht der Alltag von Rollstuhlfahrern an anderen Schwalmstädter Orten aus?

„Du kommst hier nicht rein“, heißt es für Rollstuhlfahrer an vielen Orten. Nicht, weil sie dort direkt diskriminiert werden – sondern weil es einfach nicht möglich ist. Stufen, schmale Türen, starkes Gefälle und unebener Boden sind Probleme, vor denen sie täglich stehen. Ein spontaner Ausflug oder ein Einkauf auf unbekanntem Terrain sind dadurch schwierig.

Abhilfe schaffen möchte ein Projekt, das eine interaktive Karte ins Internet gestellt hat: wheelmap.org. Damit können sich Rollstuhlfahrer schon vor dem Besuch eines Ortes informieren, ob sie dort Probleme bekommen könnten. Von Restaurants, Banken, Kirchen, über Aussichtspunkte bis hin zu Diskotheken werden Orte von Menschen, die dort schon einmal waren, per Ampelsystem gekennzeichnet. Rot steht für „nicht rollstuhlgerecht“, Gelb für „teilweise rollstuhlgerecht“ und Grün für „voll rollstuhlgerecht“. Toiletten können in einer weiteren Kategorie bewertet werden. Die Kriterien sind fest definiert. In Schwalmstadt sind viele Orte grau gekennzeichnet, warten also noch auf eine Bewertung.

In der Bahnhofsstraße in Treysa sind beispielsweise nur zwei Orte grün gekennzeichnet. Gelb sind zwei Bäckereien. Damit weiß der Besucher vorher, dass der Ort prinzipiell zugänglich ist, aber nicht alle Räume. Was auffällt: Der gesamte Treysarer Bahnhof ist übersäht mit roten Punkten. Auch viele Kneipen und Gaststätten rund um den Marktplatz in Treysa sind rot gefärbt.

In Ziegenhain sieht es nicht besser aus. Auch hier ist ein Großteil grau gekennzeichnet. Allerdings gibt es hier einige grüne Punkte in der Hessenallee und im Badeweg. Frank Keller, Mitarbeiter der Hephata-Behindertenhilfe, kennt die Wheelmap. Allerdings wird diese in Treysa kaum benutzt. „Im Grunde genommen ist die Wheelmap eine gute Idee. Es ist toll, dass sie bundesweit so einschlägt“, sagt Keller. Hephata braucht sie allerdings nur ergänzend.

In Treysa ist man schneller informiert durch Kollegen vor Ort, sagt Keller. Beauftragte der Stadt hätten einen guten Überblick über die verschiedenen Orte. „Wenn wir von Hephata aus, in eine uns unbekannte Stadt fahren, greifen wir natürlich auch auf die Wheelmap zurück“, sagt Keller.

Ein Projekt für alle

Wheelmap ist ein Projekt von und für Menschen mit Behinderung. Profitieren sollen von der Karte aber nicht nur Rollstuhlfahrer. Auch für Menschen mit Rollatoren oder Personen mit Kinderwagen kann die Karte hilfreich sein. Ziel es nach eigenen Angaben zudem, Besitzer von nicht rollstuhlgerechten öffentlichen Orten auf das Problem aufmerksam zu machen.

Sie sollen dazu angeregt werden, über die Barrierefreiheit in ihren Räumen nachzudenken und diese zu verbessern.

Hintergrund: Wheelmap macht Vorgaben

Um bei wheelmap.org als rollstuhlgerecht zu gelten, muss ein Ort mit seinen Räumen stufenlos erreichbar sein. Als teilweise rollstuhlgerecht gilt er, wenn die Stufe am Eingang eine Höhe von maximal sieben Zentimetern hat und die wichtigsten Räume stufenlos erreichbar sind. 

Nicht rollstuhlgerecht ist ein Ort, wenn am Eingang höhere oder mehrere Stufen sind und Räume für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich sind. Damit eine Toilette rollstuhlgerecht ist, muss die Eingangstür mindestens 90 Zentimeter breit sein, zudem müssen die Bewegungsräume 1,50 Meter im Quadrat groß sein, das WC-Becken muss eine größere Sitzhöhe haben, eine Stützklapphilfe muss vorhanden und das Waschbecken unterfahrbar sein.

Quelle: HNA

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