HNA-Interview: Schlagersängerin Gaby Baginsky vor ihrem Auftritt bei den Hephata-Festtagen

„Ja wie? Ich bin Schirmherrin?“

„Häng die Gitarre nicht an den Nagel“: Mit Liedern wie diesem wurde Gaby Baginsky in den 70er Jahren bekannt. Ihre aktuelle Single heißt „Männer dürfen weinen“. Foto: nh

Am Wochenende finden die Hephata-Festtage in Schwalmstadt statt. Schlagersängerin Gaby Baginsky ist nicht nur Schirmherrin der 18. Auflage, sondern wird auch beim großen Abschlusskonzert auftreten. Um 16 Uhr wird sie dann im Festzelt an der Hephata-Gärtnerei ihre größten Hits anstimmen. Wir haben uns mit der 56-Jährigen über die Musik und das Leben als Schlagersängerin unterhalten.

Frau Baginsky, singen Sie unter der Dusche?

Baginsky: Nein. Und in der Badewanne auch nicht. Ich habe so viel mit Musik zu tun, da will man auch mal seine Ruhe haben. Ich höre auch sonst kaum Musik. Nur im Auto, da laufen immer die regionalen Schlagersender.

Hören Sie sich auch selbst?

Baginsky: Ja, natürlich. Ich freue mich immer, wenn meine Lieder gespielt werden. Allerdings werden im Radio immer mehr Oldies gespielt. Vieles wiederholt sich. Wenn dann aber etwas Aktuelles von mir dabei ist, dann ist das schon schön. Dann weiß man, dass der Sender darauf aufmerksam geworden ist.

Kennen Sie Schwalmstadt?

Baginsky: Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht. Ich stehe seit 40 Jahren auf der Bühne. Es kann also durchaus sein, dass ich schon einmal dort war. In den letzten 15 Jahren jedoch nicht. Daran könnte ich mich erinnern. Wenn man auf Tournee ist, dann ähneln sich die Städte. Die Leute glauben immer, man hätte ganz viel Zeit.

Die haben Sie nicht?

Baginsky: Nein. Meistens kommt man eine Stunde vor dem Auftritt erst an. Dann gibt es vielleicht noch eine Probe und schließlich den Auftritt. Vor dem Konzert in Schwalmstadt singe ich zum Beispiel noch im Fernsehgarten. Man hetzt von Auftritt zu Auftritt. Da bleibt kaum Zeit, um sich die Stadt anzusehen.

Sie sind ja in diesem Jahr Schirmherrin der Hephata-Festspiele. Wie ist es dazu gekommen?

Baginsky: Bin ich? Das wusste ich ja gar nicht mehr. Das hat mein Mann mir noch gar nicht erzählt. Aber ich bin auch so oft unterwegs, da kann das schon mal untergehen. Wenn dem so ist, dann bin ich das natürlich gerne. Ich setze mich schon länger für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein. Aber auch Tierheime unterstütze ich.

Wie genau?

Baginsky: Das ist ein Hobby von mir. Ich kümmere mich um Tiere, die in Tierheimen nicht mehr vermittelt werden können. Ich habe ein großes Grundstück, das ich mit meinem Mann und 40 Katzen teile. Da hat man eine Menge Arbeit. Jetzt komme ich zum Beispiel gerade vom Tierarzt.

Wie kam es dazu, dass Sie Sängerin geworden sind?

Baginsky: Das war schon immer ein Traum von mir. Mein Vater war bei der Bundeswehr und in der Kaserne gab es eine Truppenband. Eines Tages bin ich mit zur Probe gegangen und hab einfach mitgesungen. So habe ich erste Bühnenluft geschnuppert und irgendwann bei Wettbewerben mitgemacht. Damit fing alles an. Seit ich 16 bin, singe ich professionell.

Kann man als Schlagersängerin heute noch überleben?

Baginsky: Früher war es natürlich einfacher. Viele in der Branche haben durch schlechtes Management Geld verloren. Auch ich. Allerdings habe ich immer etwas zur Seite gelegt. Wenn ich wollte, dann könnte ich mich jetzt zur Ruhe setzen.

Wie häufig treten Sie denn noch auf?

Baginsky: Etwa 70 bis 80 Mal im Jahr. Allerdings merkt man die Krise. Viele Firmen können es sich nicht mehr leisten, zu feiern. Darum muss man vielseitig sein und live arbeiten können. Eine CD allein reicht nicht mehr. Ein breites Repertoire wird immer wichtiger. Schließlich werden auch die TV-Auftritte weniger.

Stirbt der Schlager aus?

Baginsky: Nein, das glaube ich nicht. Es gibt immer noch eine große Schlagergemeinde. Allerdings ist es für Neueinsteiger schwieriger geworden. Insgesamt ist die Zahl an Künstlern in den letzten Jahren gesunken. Ich finde es schade, dass heute kaum noch deutsch gesungen wird. Partyschlager wird es aber sicherlich auch in Zukunft noch geben.

Von Jörgen Camrath

Quelle: HNA

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