Kantorei führte das Requiem von Gabriel Fauré und weitere Werke in der Stadtkirche auf

Ein Wiegenlied des Todes

Konzentriert: Instrumentalisten des Harleshäuser Kammerorchesters.. Fotos: Bläsing

Melsungen. Durch eine stimmungsvolle und durchdachte Musikauswahl zeichnete sich das Konzert am Ewigkeitssonntag in der Evangelischen Stadtkirche Melsungen aus, bei dem sich die Melsunger Kantorei, das Harleshäuser Kammerorchester sowie Solisten präsentierten.

Vor dem Hauptwerk, dem Requiem von Gabriel Fauré, hörten 150 Konzertbesucher vier feinfühlig abgestimmte Programmpunkte. Mut zur Moderne stand dabei am Beginn, denn es gab eine Komposition aus dem Jahr 1988.

Ausdrucksstarker Auftakt

Bezirkskantor Christian Fraatz und die Sänger der Kantorei präsentierten eingangs das Chorwerk „Immortal Bach“ des Norwegers Knut Nystedt. Es handelte sich um eine Klangstudie, die ihren Ausgangspunkt in Johann Sebastian Bachs Choral „Komm, süßer Tod“ hatte und dann die Stimmen in dissonante Klangflächen auffächerte. Ein ausdrucksstarker Auftakt.

Nächtliche Klaviermusik der Romantik folgte mit zwei Nocturnes des holländischen Komponisten Johannes Bernardus van Bree (1801-1857). Die Melsunger Musikerin Claudia Schweitzer nahm mit ihrem empfindsamen Spiel ein und war dann eine sensible Klavierbegleiterin in der Kaddisch-Vertonung von Maurice Ravel. Das Kaddisch ist eines der wichtigsten jüdischen Gebete, eine Lobpreisung Gottes, die auch zum Totengedenken gesprochen wird. Mit klarer Stimme und weiter Dynamik sang die Offenbacher Sopranistin Sina Oskedra das ergreifende Gebet.

Ohne drastischen Schrecken

Mit einem Klaviersolo, der elegischen, sanft wiegenden „Sicilienne“ von Gabriel Fauré (1845-1924), leitete Claudia Schweitzer zum Requiem über. Fauré hat – anders als Hector Berlioz und Giuseppe Verdi – in seiner Totenmesse auf drastisch ausgemalten Schrecken verzichtet. So wird seine milde, tröstende Komposition gern als „Wiegenlied des Todes“ bezeichnet.

Mehrere Fassungen existieren von Faurés Requiem. Die hier gewählte Version war besonders faszinierend in ihrem dunklen, von tiefen Streichern dominierten Orchesterklang, in dem die Solovioline nur im „Sanctus“ und „In paradisum“ aufhellende Lichter setzte.

Mit der Kantorei, dem Harleshäuser Kammerorchester aus Kassel, dem Melsunger Bariton Thomas Wiegand, der Sopranistin Sina Oskedra und Claudia Schweitzer (nun an der Orgel) realisierte Christian Fraatz eine in ihrem Stimmungswert überzeugende Wiedergabe.

Gleitende Übergänge und die Dynamik haben die Ausführenden engagiert erarbeitet. Ein schöner Effekt zudem, das Sopransolo, aber auch rauschende Harfentöne von der Empore aus zu hören. Stille herrschte in der Kirche, bevor Fraatz, die Sänger und Instrumentalisten den verdienten Beifall entgegennahmen.

Von Georg Pepl

Quelle: HNA

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