Wieragrund: Jetzt kann gebaut werden

Heftige Scharmützel vor sehr vielen Zuhörern in der Kulturhalle Schwalmstadt. Der Veröffentlichung des Bebauungsplans Wieragrund und damit der Realisierung von Einkaufszentrum und Umgehungsstraße steht nichts mehr im Weg:

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Das Stadtparlament sagte am Donnerstagabend Ja zum vorgeschalteten Städtebaulichen Vertrag. Eine Überraschung war das nicht, in den Ausschüssen war das Vertragswerk zuvor angenommen worden, jeweils gegen die Stimmen der FWG- und der Grünen-Vertreter. Wesentlich spannender war die Bekanntgabe der Bürgerinitiative Wieragrund wenige Stunden zuvor: Ihre knapp 1100 Unterschriften reichten nicht, um den angestrebten Bürgerentscheid über das Projekt zu erreichen. Noch am Mittag herrschte bei einigen aus dem gegnerischen Lager Nervosität: Völlig sicher über die Zahlen war man sich nicht gewesen.

Liveticker

So war der Liveticker aus dem Stadtparlament

Im Parlament wurden dann vor einem großen Publikum bekannte Argumente ausgetauscht. Stellenweise reagierten Stadträte und Parlamentarier mit Zwischenrufen. Unter den über 100 Zuhörern keimte ebenfalls immer wieder ein Raunen auf. Medienvertreter wurden von Parlamentschef Hosemann aufgefordert, sich ans Fotografierverbot zu halten. Unerwartetes kam nicht zu Tage: Klaus-Ulrich Gielsdorf (FWG) und Margitta Braun (Grüne) erneuerten ihre Kritik am Vertragswerk und dem Vorhaben an sich. Sie prangerten Unklarheiten etwa in Fragen der Zuwege, Grundstückseigentum und Kostenverteilung an. Gielsdorf legte nach wiederum heftigen Vorwürfen gegen Bürgermeister Kröll seinen Vorsitz im Bauauschuss nieder, angehören will er dem Gremium aber weiterhin. Unterstützt wurde der FWG-Mann wie in der Septembersitzung nur von Fraktionskollegin Christel Bald. FWG-Chef Heinrich Gringel hatte sich wieder entschuldigen lassen.

Die phasenweise Schärfe der Debatte änderte am Abstimmungsverhalten erwartungsgemäß rein gar nichts. Die großen Fraktionen von SPD und CDU hoben wie seit Monaten bei diesem Thema geschlossen die Hand. Die Vertreterin der FDP enthielt sich. FDP-Fraktionschef Constantin H. Schmitt war wie im September nicht dabei, da er geschäftlich unterwegs war. Trotzdem wurde recht emotional diskutiert, mehrere Sprecher gingen mehrfach zum Mikrofon, obwohl sie es wohl anders geplant hatten. So ergriff SPD-Fraktionschef Michael Schneider erneut das Wort. Er geißelte, dass Bürgermeister Kröll als Lügner bezeichnet worden sei. Auch der Verwaltungschef selbst sprach im Zusammenhang mit dem abgelaufenen Bürgerbegehren von Schlägen unter die Gürtellinie. K.-U. Gielsdorf hatte zuvor die Aufgabe seines Postens als Ausschusschef durch einen Vergleich mit seinem Hund verdeutlicht: Der freue sich stets ihn zu sehen und lüge nicht.

Nach der Entscheidung strömte das Gros des Publikums hinaus, für die restlichen Tagesordnungspunkte interessierte es sich nicht. So gingen auch Altbürgermeister Gerd-Friedrich Huck (SPD), der sich für das Bürgerbegehren engagierte, und Investor Eberhard Unger, aber auch viele andere. Unsere Zeitung beendete ihren Live-Ticker via Twitter, eine Premiere in Schwalmstadt, die Parlamentschef Hosemann bekanntgab und tolerierte. Ein so großes Interesse wird wohl so bald keine Stadtverordnetensitzung in der Schwalm mehr finden. (aqu)

Quelle: HNA

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