21-Jähriger zu hoher Geldstrafe verurteilt – Nötigung und Körperverletzung

Wilde Autojagd und Schläge

Kassel/Wolfhagen. Versuchte räuberische Erpressung - das ist der härteste Vorwurf, für den sich der 21-jährige Angeklagte am Dienstagnachmittag im Kasseler Amtsgericht verantworten musste. Doch das Urteil ergeht schließlich wegen Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung. Der Wolfhager kommt mit einer Geldstrafe davon.

Die allerdings hat es in sich: 130 Tagessätze à 40 Euro muss der 21-Jährige bezahlen - 5200 Euro. Angesichts des erheblichen Gewaltpotenzials, dass er gezeigt habe, habe man nicht im niedrigen Bereich bleiben können, sagt Richterin Focke.

Was der junge Mann eingeräumt hatte, klang wie einem Actionfilm entlehnt: Bei Nothfelden sei ihm am 13. April ein mittlerweile 19-Jähriger als Beifahrer in einem Auto aufgefallen, sagte der Angeklagte. Der habe ihm seit längerer Zeit 60 Euro geschuldet - für eine X-Box. Er habe dann das Auto mit seinem Wagen überholt und ausgebremst. Richtig sei auch, dass er den 19-Jährigen an den Haaren aus dem Wagen gezerrt und in seinen bugsiert habe. „Ich hab ihm Backpfeifen gegeben“, sagt er außerdem. Von Faustschlägen und einem Schlag mit einem Handy will er nichts wissen.

Der 19-Jährige wird als Zeuge vernommen. Er bleibt zwar bei einer insgesamt noch bedrohlicheren Geschichte. Von den Faustschlägen, die die Polizei in seiner Vernehmung protokolliert hat, will jedoch auch er nichts wissen. „Schläge mit der Rückhand“ habe ihm der andere verpasst. In seiner Not habe er gesagt, er könne sich Geld von einem Freund leihen.

Bei dem Freund haber er sich versteckt. Der 21-Jährige sei ihm gefolgt. Der Dritte habe versucht zu vermitteln, er selbst schließlich die Polizei rufen wollen. Der Angeklagte aber habe ihm das Handy abgenommen und mit Worten wie „Bist Du blöd?“ an den Kopf „gekleppt“. Was auch immer das heißen soll - weh habe es nicht getan, sagt der junge Mann und räumt ein, Schulden für eine X-Box und Spiele gehabt zu haben: 200 bis 300 Euro.

Staatsanwältin Sabrina Meier mag die Geschichte mit der Spielekonsole nicht glauben: „Bisschen viel Aufwand für eine X-Box!“ Ob es nicht um ganz andere Geschäfte gehe, will sie wissen - und spielt auf Drogen an. Bei Schulden aus illegalen Drogengeschäften wäre es beim Vorwurf der versuchten räuberischen Erpressung geblieben. Mit dem X-Box-Geschäft kippt der - auch aus Sicht der Staatsanwältin. Sie fordert sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Verteidiger Michael Schenk hält Geldstrafe für angemessen. Sein Mandant habe einen berechtigte Forderung gegen den 19-Jährigen gehabt - sei dann aber völlig über das Ziel hinausgeschossen.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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