Hildegard Hartmann feierte ehrwürdigen Geburtstag im Seniorenheim im Steinweg

Die wilde Hilde wurde 100

Beim Sektfrühstück: Jubilarin Hildegard Hartmann – hier mit Tochter Inge Lipp – freute sich an ihrem Ehrentag nicht nur über die vielen Gratulanten, sondern ganz besonders über das Ständchen vom Ziegenhainer Posaunenchor. Foto: privat

Ziegenhain. Die Familie nennt sie nur die „wilde Hilde“ – denn schon als Kind war Hildegard Hartmann temperamentvoll und lebhaft. In der vergangenen Woche feierte die gebürtige Bochumerin im Seniorenheim im Ziegenhainer Steinweg ihren 100. Geburtstag.

„Wenn mal Pauken und Trompeten erschallen, dann werde ich 100“, hatte die alte Dame schon Monate zuvor zu ihrer Tochter Inge Lipp gesagt. Trompeten erklangen am Ehrentag tatsächlich. „Das haben wir uns nicht nehmen lassen und für sie den Posaunenchor bestellt“, erzählt Inge Lipp.

Hildegard Hartmann wurde vor einem Jahrhundert in Bochum geboren. Bald schon zog die Familie nach Kassel um, wo der Vater ein Versicherungsbüro aufgebaut hatte. Hilde ging auf das christliche Lyzeum Engelsburg, mit 18 Jahren besuchte sie die Handelsschule, um später im Büro des Vaters mitarbeiten zu können. Die sportliche junge Frau, die gern ruderte und Tennis spielte, lernte im Verein den Feinkostkaufmann Kurt Hartmann kennen – und aus Freundschaft wurde irgendwann Liebe. 1935 heiratete das Paar, im selben Jahr kam Tochter Inge zur Welt. Die kleine Familie lebte in der Nähe von Warburg, wo die Hartmanns ein kleines Geschäft betrieben.

Unterschlupf in Treysa

Doch der Krieg riss die Drei auseinander: Kurt Hartmann musste an die Front, Hilde Hartmann zog wieder nach Kassel – wo sie 1943 ausgebombt wurde und ihre Eltern verlor. Über einen Nachbarn fand sie mit Inge Unterschlupf in Treysa, wo sie kriegsverpflichtet in der Molkerei arbeiten musste. Zwölf Jahre lebte die Familie in der Schwalm – Kurt war inzwischen heimgekehrt – bevor die Hartmanns nach Kassel zurückkehrten. Kurt Hartmann verdiente fortan als Reisender für den Lebensmittelkonzern Oetker sein Geld, Hilde unterstützte ihn im Büro, hütete das Telefon und nahm Bestellungen entgegen.

Tochter Inge zog es nach Ziegenhain, wo sie nach der Heirat gemeinsam mit ihrem Mann ins Haus der Schwiegereltern am Alleeplatz zog. „Meine Mutter und mein Vater haben uns hier immer gern und häufig besucht“, erzählt sie. 1983 verstarb Kurt Hartmann, doch Hilde liebte die Großstadt und blieb in Kassel wohnen: Bis 2009 versorgte sich die alte Dame allein in ihrer Wohnung.

In Kassel traf sie sich regelmäßig mit Schulkameradinnen, gern beschäftigte sie sich aber auch mit feinen Häkelarbeiten. „Sie hat überall ihre selbst gehäkelten Topflappen verteilt“, sagt Inge Lipp.

Nach Ziegenhain kam sie stets gern, hütete das Haus, wenn die Kinder in Urlaub fuhren und freute sich über die Johannisbeeren im Garten.

Seit drei Jahren lebt Hildegard Hartmann nun im Seniorenheim im Steinweg. Dort sitzt sie gern auf ihrer Terrasse oder liest – noch immer ohne Brille. Ihren 100. Geburtstag feierte die Jubilarin gleich doppelt: Beim Sektfrühstück scherzte sie mit dem Bürgermeister, zwei Tage später freute sie sich riesig über den Besuch des Enkels und der beiden Urenkel.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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