Oberlauf des Essebaches wird renaturiert – Auenlandschaft soll entstehen

Die Wildnis kehrt zurück

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Mondlandschaft: Friedhelm Koch (Bauamt) zeigt die neuen Ausdehnungsflächen des Baches, die dem Hochwasserschutz dienen. Was jetzt noch karg wirkt, wird die Natur schnell begrünen.

Spangenberg. Seit Anfang Februar sind die Bagger der Firma Küllmer-Bau am Oberlauf des Essebaches im Einsatz, um den verhältnismäßig einförmigen Verlauf des Baches zu einer naturnahen Bach- und Auenlandschaft umzubauen.

Im Rahmen der Umsetzung von EU-Richtlinien beabsichtigt die Stadt Spangenberg die schrittweise Renaturierung des Essebaches, in wenigen Wochen wird der Abschnitt am Oberlauf fertig gestellt sein.

Der Bach solle sich verzweigen, aufweiten und verlagern können, das entspräche dem Leitbild für die Renaturierung, erklärte Peter Trümner von der Unteren Wasserbehörde. Durch die Aufweitung der Flächen werden außerdem Ausdehnungsflächen für den Bach geschaffen, die das Wasser bei starkem Regen sammeln können und so dem Hochwasserschutz dienen. Das hätte sonst nur ein sehr viel teurerer Staudamm leisten können.

Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren für den Natur- und Hochwasserschutz am oberen Essebach vier Hektar Land gekauft. Ein Teil des Fichtenwaldes, der im Laufe der Jahrzehnte bis an den Bach gewachsen war, wurde gerodet, um Platz für die ursprüngliche Auenlandschaft zu schaffen.

12 000 Kubikmeter Erde werden insgesamt bewegt, wobei ein wesentlicher Teil aus dem Baugebiet abtransportiert wird. Erdverwerfungen durch die Baggerschaufel und unregelmäßige Kanten sind gewollt und werden nicht geglättet.

Schutz gegen Hochwasser

Wenn die Flächen beim nächsten Hochwasser überschwemmt werden, bringt das Wasser auch Pflanzensamen von den bewachsenen Uferbereichen oberhalb des Bachlaufs mit. Die Bepflanzung der Ufer wird also von der Natur übernommen. Etwa sechs Monate bis ein Jahr werde es dauern, bis die ersten Pflanzen angewachsen seien, meinten die Experten.

Zum Teil bekommt der Bach auch ein neues Bachbett mit flacheren Ufern, um die natürliche Dynamik des Baches zu erhalten. Der Alt-Arm dient als Überlauf und bietet Laichgebiete sowie Rückzugsmöglichkeiten für Jungfische. Der Bach biete Bachneunaugen, Mühlkoppen, Schmerlen und Bachforellen eine Heimat, sagte Trümner.

Ein Biotop gehört ebenfalls zur Planung, außerdem bleibt ein Wiesenstück unberührt, um seltene Pflanzen wie Orchideen zu schützen. Mit relativ wenig Mitteln habe man am Oberlauf viel für den Naturschutz tun können, meinte Friedhelm Koch vom Bauamt.

Wenn das Gebiet bewachsen sein wird, werde es auch bei der Bevölkerung gut ankommen. Geplant ist eine Bank am Radweg. Und vom Hochwasserschutz werden vor allem Elbersdorf, Spangenberg und Adelshausen profitieren: „Schon fünf Zentimeter können entscheidend sein, ob man nasse Füße bekommt oder nicht“, sagte Koch.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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