Wildschweine zerstören Wiese in Fritzlar: Niemand haftet für den Schaden

Fußspuren: Die Wildschweine haben die Grasnarbe aufgerissen.

Fritzlar. Josef Werner (91) ist ratlos: Sein Obstgarten hinter dem Haus wurde völlig zerwühlt. Wildschweine sind wohl dafür verantwortlich.

Der Blick, den Josef Werner von seiner Terrasse aus hat, ist traumhaft. Er schaut geradeaus auf den Fritzlarer Dom, der über der Altstadt thront. Seit Freitag der vergangenen Woche hat die Aussicht einen faden Beigeschmack - der Garten des 91-Jährigen wurde komplett durchwühlt.

Mit einem Fernglas hat der Rentner anfangs die Schäden begutachtet. Er vermutet, dass Wildschweine in mehreren Nächten ihr Unwesen getrieben haben. „Das kann doch nicht so liegen bleiben, jemand muss die Wiese wieder plattmachen, um sie im Sommer mähen zu können“, sagt der Rentner etwas machtlos.

Fälle wie die von Josef Werner kommen im Schwalm-Eder-Kreis durchschnittlich drei bis sechs Mal im Jahr vor, sagt Werner Wittich, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Fritzlar-Homberg und ehrenamtlicher Kreisjagdberater des Landkreises. Genau könne er das aber auch nicht sagen, da die Fälle in der Regel nicht gemeldet werden.

„Innerhalb der geschlossenen Bebauung dürfen Wildtiere nicht geschossen werden - und da sie herrenlos sind, ist niemand für sie verantwortlich.“

Warum? Weil niemand für den Schaden haftbar gemacht werden kann. „Der jeweilige Jäger ist nur außerhalb der bebauten Gebiete zuständig“, erklärt Ulrich Gerhold, stellvertretender Forstamtsleiter und Jagdleiter im Forstamt Jesberg. „Innerhalb der geschlossenen Bebauung dürfen Wildtiere nicht geschossen werden - und da sie herrenlos sind, ist niemand für sie verantwortlich.“ Gerhold bezeichnet das als Gesetzeslücke.

Auf dem Grundstück von Josef Werner wurde die Obstwiese sprichwörtlich umgepflügt. „Rehwild habe ich schon öfter in meinem Garten gehabt, aber Wildschweine sind mir noch nie aufgefallen“, sagt der Fritzlarer. „Die Tiere waren nach den frostigen Tagen zuletzt auf der Suche nach Regenwürmern und Mäusen“, vermutet Wittich. Für ihn ist es nicht ungewöhnlich, dass Wildschweine mittlerweile in Gärten und auf Sportplätze gehen.

„Wildschweine machen keinen Unterschied, ob ein Gebiet stark bebaut ist oder nicht. Sie versuchen, die menschlichen Veränderungen an der Natur für sich zu nutzen“, erklärt er. Zudem sei Deutschland eines der wildreichsten Länder in Europa.

Da kommt nicht nur für Josef Werner als Geschädigten die Frage auf, ob in Schwalm-Eder auch genügend Wildschweine geschossen werden. „Ja“, ist die klare Antwort des Vorsitzenden des Kreisjagdvereins Fritzlar-Homberg.

Quelle: HNA

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