Wilfried Knoll ist Richter aus Leidenschaft

Bad Zwestener engagiert sich ehrenamtlich beim Sozialgericht Kassel

Schwarz auf weiss: Wilfried Knoll wurde für eine weitere Amtszeit zum ehrenamtlichen Richter am Sozialgericht ernannt. Foto: Laumann

Bad Zwesten. Es sind nur vier Buchstaben, aber sie kommen ihm nicht über die Lippen. „Ich kann einfach nicht nein sagen", sagt Wilfried Knoll.

Das erklärt auch, warum er seit 2002 ehrenamtlicher Richter ist. Als er gefragt wurde, ob er die Aufgabe übernimmt, musste er einfach ja sagen. „Ich habe eine soziale Ader", schiebt der 61-Jährige nach.

Der Bad Zwestener findet über die Gewerkschaftsarbeit in das Ehrenamt. Jahrzehnte lang engagiert sich Knoll in der DHV, als ihn ein Mitglied anspricht: Knoll soll ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Kassel werden - und auf der Seite der Arbeitnehmer stehen.

Drei Personen bilden die Kammer, erklärt Wilfried Knoll. Zu dem hauptamtlichen Richter kommen zwei ehrenamtliche. Der eine steht auf der Arbeitgeber-, der andere auf der Arbeitnehmerseite. Alle drei Stimmen werden gleich gewichtet.

Die erste Instanz fasziniert Knoll besonders. „Da geht es ans Eingemachte, Manche Arbeitgeber werden richtig rund gemacht“, sagt er. 2007 wechselt Knoll an das Landesarbeitsgericht, lernt die zweite Instanz kennen. „Die ist nicht mehr so interessant.“ Einmal im Monat ist er in der Zeit in Frankfurt. Es sind lange Tage mit vielen Verhandlungen. 2010 wechselt der Bad Zwestener an das Sozialgericht nach Kassel. Dort lernt er die ganze Bandbreite kennen: Streitigkeiten mit Krankenversicherungen, Unfallkassen und Berufsgenossenschaften, Diskussionen über Rentenansprüche und Hartz IV: „Dort gibt es alles, was das Sozialgesetzbuch so hergibt.“ Mehr als 100 Entscheidungen hat er mitgetragen, mit manchen gehadert. Etwa, wenn er er Menschen nicht helfen kann, obwohl sie Hilfe bräuchten. Oft schließt Knoll Kompromisse, dann wird beispielsweise die abgelehnte Reha doch bewilligt. „Das ist ein positives Gefühl“, erklärt der Rentner.

Doch das Recht lässt sich nicht verbiegen. „Man muss einfach nach der Gesetzeslage entscheiden, ob es gut ist oder nicht“, betont der ehrenamtliche Richter. Platz für Sentimentalitäten gibt es am Ende des Tages nicht. „Wenn Sie die Fälle persönlich nehmen und sich mit dem Schicksal dahinter beschäftigen, können Sie gleich aufhören“, sagt der 61-Jährige. Und genau das will Knoll nicht. Er hängt eine weitere Amtszeit dran, ist bis zum Jahr 2020 als ehrenamtlicher Richter vorgesehen - Weil er nicht nein sagen kann.

Wilfried Knoll (61) ist in Bad Zwesten aufgewachsen. Nach einer Banklehre bei der Kreissparkasse Schwalm-Eder ist er zur DAK nach Wiesbaden gewechselt. Es folgten Stationen in Kassel und Melsungen, ehe er Geschäftsführer des DAK-Servicezentrums Schwalm-Eder wurde. Seit Dezember ist Knoll Rentner. Er ist verheiratet, hat drei Stiefkinder und sieben Enkelkinder.

Quelle: HNA

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