81-Jähriger ist Organist in Hundshausen, Jesberg und Elnrode

Willi Möller aus Jesberg hat in 6000 Gottesdiensten Orgel gespielt

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Seit 60 Jahren an der Orgel: Willi Möller (81) an dem Instrument in der Kirche seiner Heimatgemeinde Hundshausen. Als Dank und Anerkennung hat ihm die evangelische Landeskirche die Philipp-Nicolai-Medaille verliehen. 

Wer kann von sich behaupten, dass er seit 60 Jahren im Dienst ist? Willi Möller (81) kann es. Seit 1957 spielt er in Orgel in seiner Heimatgemeinde Hundshausen und in Jesberg.

Und seit einigen Jahren auch in Elnrode. Drei Gottesdienste in Folge und das jeden Sonntag. So hat er es auf über 6000 Gottesdienste gebracht, wie Kirchenvorsteherin Helga Stumpf errechnete. Nur nach einer Knieoperation und wenn er in den Urlaub gefahren ist, hat er auf der Orgelbank gefehlt.

„Ich bin keiner, der etwas anfängt, und wieder hinwirft“, sagt der Schreinermeister, der auch 50 Jahre den Hundshäuser Männergesangverein leitete und noch in seiner Werkstatt anzutreffen ist. Die Freude am Instrument und ein hohes Pflichtbewusstsein zeichnen ihn als Organisten aus. Dabei habe er sich in den ersten Jahren gefragt, warum er sich das antue. „Abends auf die Kirmes und morgens an die Orgel, das war manchmal hart.“

Doch er blieb dabei, begleitet neben den Gottesdiensten auch Trauungen und Beerdigungen. Zehn Pfarrer hat er erlebt – von Pfarrer Lundbeck 1957 bis zu Pfarrer Keller. In den Gottesdiensten war er an Weihnachten besonders gefordert, wenn er zwischen der Orgelempore und dem Kirchenschiff wechseln musste, um abwechselnd den Gemeindegesang zu begleiten und den Chor zu dirigieren.

Willi Möller war zwölf Jahre alt, als er von seinem Densberger Onkel Heinrich Möller das Klavierspiel erlernte. Der war Kirchenmusikdirektor in Kassel und hatte bei einem Besuch in Hundshausen das Instrument entdeckt.

Mit dem Fahrrad fuhr Möller jede Woche nach Densberg, wo der Onkel ihm Klavier- und Orgelunterricht gab. Als der Onkel starb, nahm Willi Möller in der Hephata-Kirche Unterricht und belegte zwei Winter lang Kurse an der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte in Schlüchtern. „Nur mit dem Üben war es früher schwierig“, erinnert sich Möller. Denn bevor es Motoren an den Orgeln gab, musste er jemanden finden, der den Blasebalg betätigte, damit die Orgel gespielt werden konnte.

Für den 81-Jährigen ist der Organistendienst mehr als die musikalische Begleitung in der Kirche. „Wenn sonntags mal kein Gottesdienst ist, fehlt mir etwas. Dann gehe ich in die Kirche und spiele ein paar Stücke.“ Nur Abendgottesdienste mag er nicht. Denn was bei Möllers ist neben dem Orgel- und Kirchendienst ist der sonntägliche Ausflug eine feste Größe. „Da hat man den ganzen Tag im Hinterkopf, dass man abends Dienst hat.“

Solange es in der Kirche nicht zu kalt ist, zieht es ihn jeden zweiten Abend an die Orgel. Doch einen Lieblingschoral hat er nicht. „Ich spiele keine Bundesliga“, sagt Möller scherzhaft. Doch ein Leben ohne Register, Tasten und Pfeifen kann er sich nicht vorstellen. „Solange ich gesund bin, will ich weiter spielen.“

Für seine 60-jährige Tätigkeit als Organist wurde Willi Möller in Hundshausen von Dekanin Sabine Tümmler und Bezirkskantor Reiner Volgmann mit der Philipp-Nicolai-Medaille der Landeskirche ausgezeichnet. Die Medaille, benannt nach dem in Mengeringshausen geborenen Pfarrer und Liederdichter Philipp Nicolai (1556 bis 1608), ist die zweithöchste Auszeichnung der Landeskirche für Kirchenmusiker. 

Quelle: HNA

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