Meteorologe Fickenscher: Tornados im Landkreis werden wahrscheinlicher

Winde werden wirbeln

Ein durch Sturm abgedecktes Dach: Solche Bilder – wie hier in Sachsen – werden in den kommenden Jahrzehnten nach Ansicht von Meteorologen öfter zu sehen sein, auch im Landkreis. Foto: dpa

Wolfhager land. Tornados in der Region werden wahrscheinlicher. Außerdem wird es häufiger Stürme geben, sagen Experten.

„Als ich studiert habe, stand in den Lehrbüchern noch, dass es in Europa keine Tornados gibt“, erzählt Günter Fickenscher, Fritzlarer Meteorologe im Ruhestand, „doch heute sind es bereits 80 bis 100 im Jahr!“ Seiner Meinung nach ist der Grund für die Veränderung der Klimawandel.

Durch die Erderwärmung gerate mehr Wasserdampf in die Atmosphäre. Die gesamte Energie, die daraus entsteht und in die Atmosphäre gelangt, sei verantwortlich für die extremen Wetterunterschiede weltweit.

„Das sieht man an den vielen Überflutungen und Stürmen auf der Welt, aber auch an den Hitzewellen, wie kürzlich in Russland.“ Auch der sehr kalte Mai und der sehr heiße Juli in Deutschland sind laut Fickenscher Folgen der Erderwärmung.

Nur mit Gewitter

Selbst einen Tornado der Stärke fünf, das ist die höchste Kategorie, hält Fickenscher im Landkreis für möglich. Bisher kennt man sie zum Beispiel aus den USA. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu so einem gewaltigen Sturm kommt, ist jedoch geringer, denn Starkgewitter sind in Deutschland generell seltener.

Außerdem ist das Wolfhager Land eine hügelige Landschaft. Daher erwärmt sich der Boden nicht so schnell wie in flachen Gebieten – etwa in Brandenburg – und es gibt weniger Gewitter.

Für einen Tornado muss ein starkes Gewitter auf Winde treffen, die aus verschiedenen Richtungen kommen. Diese Winde kann man in kleiner Form bisweilen im Herbst beobachten, wenn die Blätter in der Luft wirbeln.

Wenn nun ein Gewitter an einem solchen Wirbel vorbei zieht, dann steigt die Rotationsgeschwindigkeit. Das heißt, der Wirbel wird schneller und erreicht extreme Windgeschwindigkeiten. Im Inneren entsteht ein Unterdruck, der alles nach oben saugt. Begünstigt werden starke Gewitter durch hohe Temperaturunterschiede, wenn die Erde stark aufgeheizt, die Luft aber kalt ist.

„Wenn die Menschen auf der ganzen Welt ihr Verhalten nicht ändern, dann wird es in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Tornados im Landkreis geben“, warnt Fickenscher.

Vor einem nahenden Tornado zu warnen, funktioniere nur eingeschränkt: „Es ist zwar möglich zu sagen, dass ein Tornado aufzieht, aber es ist nicht möglich, den genauen Ort vorherzusagen.“

Von Miriam Koch

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare