Parlament: Neue Bürgerinitiative ergriff das Wort

Befürworter und Gegner: Windpark in Diskussion

Ottrau. Sie alle kamen wegen des Windes: 100 Zuhörer hatten sich zur Gemeindevertretersitzung in der Mehrzweckhalle in Ottrau eingefunden. Ottrauer und Schrecksbacher wollten wissen, wie es mit dem geplanten Windpark, der zwischen ihren Ortschaften im Wald entstehen soll, weitergeht. Befürworter und Gegner ergriffen das Wort.

Johannes Rudolph von der EAM Natur, die als Projektierer für den Windpark Die Gleiche auftritt, erläuterte Zahlen und Fakten des Vorhabens. So fiel die Entscheidung für einen Anlagentyp, der eine Nabenhöhe von 149 Metern hat. In einer Entfernung von 890 Metern sollen die Windräder zu den Eggenhöfen stehen, 1400 Meter soll der Abstand zur Immichenhainer Klosteranlage betragen.

Rudolph ging auf die Auswirkungen für Menschen und Natur ein. Die Lautstärke werde unter den geforderten Dezibelwerten liegen, auch der Infraschall (Schall mit einer Frequenz unterhalb der menschlichen Hörschwelle) halte sich in Grenzen. „Pro Anlage müssen temporär 7500 Quadratmeter Wald gerodet werden“, führte der EAM-Mitarbeiter weiter aus. Dafür sei geplant, den Wald an anderer Stelle wieder aufzuforsten sowie den Bodenbach zu renaturieren. Aus der Sicht des Energieunternehmens würde der Windpark jährlich knapp die siebenfache Menge Strom erzeugen, die die Gemeinde Ottrau verbrauche.

Doch in den betroffenen Dörfern formiert sich der Widerstand gegen den geplanten Windpark. So stellten Alexander und Bernhard Stein für die neugegründete Bürgerinitiative Immichenhain gegen Windkraft die Argumente gegen den Bau des Parks mit sechs Windrädern dar. Für ihre Ausführungen ernteten sie Applaus des Publikums.

„Monströse Gebilde“

Bernhard Stein konzentrierte sich auf die Auswirkungen für Mensch und Natur. Er habe von Windpark-Anwohnern aus anderen Gemeinden erfahren, dass schlafen bei geöffnetem Fenster nicht mehr möglich sei. Zu den Auswirkungen des Infraschalls gebe es noch keine ausreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen. „Die Frage ist warum“, so Stein. Er führte aus, dass die Abstände zu Wohnhäusern zu gering seien. Zudem brauche der Wald 80 bis 100 Jahre, um sich von dem massiven Eingriff zu erholen. „Durch diese monströsen Gebilde wird die Natur zerstört.“

Sein Sohn Alexander Stein stellt dar, dass sich solch ein Windpark wirtschaftlich nicht rechne, da der Wind nicht ausreichend wehe, wie in Gutachten angenommen werde. „Da ist spekulativ.“ Die Gemeinde werde – entgegen ihrer Pläne – nicht von guten Einnahmen.

der Gewerbesteuer profitieren, so Stein. Horst Kaisinger von der Energiegenossenschaft Schwalm-Knüll betonte, wenn sich die Energienossenschaft zurückziehe, die Flächen für andere Betreiber frei wäre. Er befürwortete weiter die regionale Wertschöpfung. Zwischenrufer warfen ihm vor, keine Fakten zu haben.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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