Wintergoldhähnchen vollbringt Höchstleistungen: Bis zu 400 Kilometer an einem Tag

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Wintergoldhähnchen sind leicht wie zwei Würfelzucker-Stücke, bleiben aber im Winter trotzdem hier.

Schwalm. Wohl jeder kennt seinen Namen, kaum einer hat es aber auch schon mal gesehen: das Goldhähnchen. Das ist kein Zufall, schließlich ist der kleinste Vogel Europas sehr unauffällig. Dabei sind die Tiere nicht schwer zu finden und auch in unserem Raum weit verbreitet - man muss nur wissen, wo man suchen muss.

Der kleinste Vogel Europas - was das heißt, kann man sich sprichwörtlich "auf der Zunge zergehen lassen". Wintergoldhähnchen wiegen nur etwa 5 bis 6 Gramm, also genauso viel wie zwei Würfelzucker-Stücke. Oder soviel wie ein Blatt Papier im Format DIN A4. Trotzdem verbringen viele Wintergoldhähnchen den Winter auch in unseren Breiten. Dabei handelt es sich meist um Tiere, die aus Skandinavien zu uns gekommen sind, während die heimischen Vögel nach Südwesten abziehen. Eine Herkules-Aufgabe für die Leichtgewichte: Auf dem Weg hierher haben viele die offene Nord- oder Ostsee überquert. Manche legen sogar mehr als 2000 Kilometer zwischen Brut- und Wintergebiet zurück. In Einzelfällen sind Flugstrecken von mehr als 400 Kilometer innerhalb von 24 Stunden durch Beringung nachgewiesen.

Wer den Vogelzwergen selbst einmal begegnen möchte, wäre an einem Futterhäuschen ganz und gar fehl am Platz. Goldhähnchen sind reine Insektenfresser und daher nicht an Futterplätzen anzutreffen. Umso eindrucksvoller, dass sie auch ohne Fütterung durch den Winter kommen. Zuverlässig sind die Tiere aber in allen größeren Nadelwäldern anzutreffen. Hier durchsuchen sie die Zweige von Fichten und Kiefern nach überwinternden Insekten, oft in Gesellschaft von Meisentrupps. Manchmal reichen aber auch schon Nadelholzgruppen in Ortschaften, um Goldhähnchen anzulocken.

Egal wo: Zuerst machen die Tiere meist durch ihre feinen, hohen "ssi-ssi-si"-Rufe auf sich aufmerksam, die ähnlich aber auch von Blau- oder Tannenmeisen zu hören sind.

Gerät so ein Winzling dann ins Blickfeld, fällt neben der geringen Größe vor allem das durchgehend graugrün getönte Gefieder mit offenem, erstaunten Gesichtsausdruck und Knopfauge auf. Das namengebende, leuchtend goldgelbe Scheitelkrönchen hingegen ist oft durch umliegende Federn verdeckt und schwer zu sehen.

Wer genau hinschaut, wird vielleicht sogar einem ganz ähnlich gefärbten Vogel begegnen, dessen Gesicht aber auffallend hell und dunkel längsgestreift ist. Dabei handelt es sich um das Sommergoldhähnchen, das ebenfalls in unserem Raum brütet, den Winter aber im Südwesten verbringt und nun durch den bislang sehr milden Winter einzeln zum Bleiben veranlasst wurde.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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