„Wir fühlen uns betrogen“ von Gewerbeauskunft-Zentrale.de

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Damit fing alles an: Schreinermeister Gerhard Jakobi aus Naumburg (mit Ehefrau Gertrud) zeigt den Brief, in dem er aufgefordert wurde, seine Adressdaten für die Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de zu überprüfen. Rechts im Kleingedruckten steht, dass er für die Veröffentlichung der Daten jährlich knapp 570 Euro zahlen soll.

Wolfhager Land. Die Internetseite Gewerbeauskunft-Zentrale.de bietet Informationen von Firmen und Geschäftsleuten aus dem Wolfhager Land. Etwa 30 Einträge aus dem Altkreis sind dort gelistet.

Die Daten wurden mit einen Trick von den Unternehmen in Erfahrung gebracht, die jetzt für den Eintrag auf der Internetseite zahlen sollen.

Wer bei der Gewerbeauskunft-Zentrale einen Schreiner in der Nähe Wolfhagens sucht, stößt auf die Adresse von Gerhard Jakobi. „Ich fühle mich betrogen“, sagt er.

Anfang April bekam der Naumburger einen Brief, den er für ein offzielles Schreiben einer Behörde hielt. Der Brief liegt der HNA vor. Darin wurde der heute 72-jährige aufgefordert, die angegebenen Kontaktdaten seiner Schreinerei zu überprüfen, gebenenfalls zu korrigieren und den Brief unterschrieben zurückzusenden.

Genau das tat Gerhard Jakobi auch. Kurze Zeit später lag eine Zahlungsaufforderung im Briefkasten. Er sollte insgesamt knapp 1200 Euro zahlen, weil seine Daten bei der Gewerbeauskunft-Zentrale im Internet veröffentlicht wurden.

Gerhard Jakobi hat das berühmte Kleingedruckte übersehen. In einer Randnotiz sind die entstehenden Kosten aufgeführt. „Ich war in Eile und habe es nicht genau gelesen“, sagt der Rentner. Nur für ein paar Stammkunden steht Gerhard Jakobi ab und zu noch in seiner Werkstatt. „Somit nützt mir die teure Werbung ja nicht mal etwas.“ Der Schreinermeister hat die Rechnung nicht bezahlt und seine Anwältin eingeschaltet.

Auch Günter Hohmann ist der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH, so heißt die Firma hinter der Auskunft-Internetseite, ins Netz gegangen. Bis vor Kurzem hatte der 60-jährige eine Autowerkstatt in Breuna. Jetzt führt sein Sohn das Geschäft.

„Die Kosten nur ins Kleingedruckte zu schreiben, reicht nicht aus. Sowas muss klar, groß und deutlich zu sehen sein“, beschwert er sich. Hohmann ist vorsichtiger geworden. „Ich gebe keine Daten mehr von mir raus.“ Auch er hat noch nicht bezahlt.

Anwalt in der Falle

Ein Anwalt aus dem Wolfhager Land, der anonym bleiben möchte, ist ebenfalls in die Falle getappt. „Ich gebe zu, ich hätte besser aufpassen müssen“, sagt er. Durch einen Todesfall in seiner Familie sei er nicht ganz aufmerksam gewesen. „Auch Profis fallen manchmal auf Tricks rein“, fügt er hinzu.

Laien rät er, sich dringend einen Rechtsbeistand zu suchen und schnellstmöglich den Vertrag zu kündigen.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

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