„Wir geben Kultur zurück“

Wie Tobias Geißel Autor des Musicals Stalag IX A wurde

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Er hat das Musical geschrieben: Tobias Geißel aus Christerode ist 23 Jahre alt und hat die Texte des zweieinhalbstündigen Musicals Stalag IX A geschrieben. Morgen Abend ist Premiere.

Christerode. Manchmal kann er gar nicht glauben, dass er das geschrieben hat: Ein zweieinhalbstündiges Musical, das aus seinem Kopf auf die Bühne fließen wird. Tobias Geißel, 23, aus Christerode ist der Autor des Musicals Stalag IX A, das am Samstagabend in Treysa Premiere hat.

Ein Jahr hat es gedauert, bis die 107 Textseiten fertig waren. Bescheiden ist der junge Mann, ein Mann der leisen, geistreichen Worte. Die Texte hat er in sein modernes, superflaches Laptop geschrieben, am Esstisch seines Elternhauses: mal mit Blick in die Küche, mal aus dem Fenster über die Wiesen am Dorfrand, mal auf den Christeröder Kirchturm, der zwischen den Hausdächern hervorblitzt.

„Ich komme aus einer bodenständigen Familie“, sagt Tobias Geißel mit Bezug auf ein bekanntes Zitat, „sie hat mir Wurzeln gegeben, aber auch Flügel, um über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Die Flügel haben ihn nach dem Abitur nach Reutlingen geleitet. Dort hat er während seines Freiwilligen ökologisches Jahres Kinder und Erwachsene durch die Ausstellung eines Naturkundemuseums geführt.

Dann folgte der nächste Umzug: nach Leipzig, zum Studium der Wirtschaftswissenschaften. Zwei Jahre, dann hatte er sich zur Rückkehr in die Schwälmer Heimat entschlossen. Nun wohnt Student Tobias Geißel wieder in Christerode. Aber er studiert weder Literaturwissenschaft noch Theaterwissenschaft oder Dramaturgie.

Der Autor des Stalag-Musicals will Logistik-Manager werden, mit einem dualen Studium. Während des Semesters studiert er an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Bad Hersfeld, in den Semesterferien geht die Ausbildung bei seinem Arbeitgeber Horn & Bauer in Treysa weiter. Wie er zum Texteschreiben kam? „Ich habe gar nicht gewusst, dass ich das Talent dazu habe“, sagt Geißel. Ja, ein paar Liedtexte hat er schon geschrieben, als er nach dem Abi Gitarre in der Band Stay closer spielte. Es waren englische Texte und kritische Worte: Es ging um Liebe, Freundschaft, die Gesellschaft. Öffentlich gespielt wurden die Lieder nie, die Band löste sich nach wenigen Monaten auf.

Dann lernte er Sören Flimm kennen, der ihm von seiner Idee eines regionalen Musicals erzählte. Und Tobias Geißel war begeistert: „So können wir der Region ein großes Stück Kultur zurückgeben, schließlich sind wir alle hier aufgewachsen.“ Wir, das sind 27 Laiendarsteller aus der Region, für die er dann die Lieder und Texte geschrieben hat.

Handlung in drei Sätzen

Zunächst waren es nur drei Sätze, die Tobias Geißel in den Laptop tippte: die grobe Handlung. Dann entwarf er drei Handlungsstränge, die in Szenen ausformuliert wurden. Schwierig waren die Liedtexte. Darin musste die Handlung weitererzählt werden – in Reimform. Und statt nur Banalitäten zum Berieseln zu formulieren, wollte er auch Momente zum Darübernachdenken in die Texte einbauen.

Am Samstag ist nun also Premiere. „Gefühlsmäßig unfassbar“ sagt Geißel, wenn er daran denkt, wie sich der Vorhang zur Premiere öffnen wird. Große Worte – das sind seine Sache nicht. Tobias Geißel bleibt bescheiden.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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