Heider Olten und Dr. Dirk Richhardt im Gespräch

Interview zum Homberger Stadtmarketing: "Wir haben es gut gemacht"

Homberg. Der Vorstand des Homberger Stadtmarketings tritt bei der Jahreshauptversammlung nicht mehr an. Außerdem gibt es Kritik am Geschäftsführer des Stadtmarketings. Dr. Dirk Richhardt.

Er habe nicht das geleistet, was man sich von ihm erhofft habe, hieß es zuletzt. Die HNA-Redakteurinnen Maja Yüce und Claudia Brandau haben mit dem Vorsitzenden Heider Olten und dem Geschäftsführer gesprochen.

Das Stadtmarketing muss in diesem Jahr zunächst mit 25.000 statt mit 120.000 Euro auskommen. Herr Olten, sie haben gesagt, man könne sich dann keinen hauptamtlichen Geschäftsführer mehr leisten. Dr. Richhardt, haben Sie eine Kündigung erhalten? 

Richhardt: Nein! Aber wenn die Finanzen so aufgestellt sind, dann könnte ich das schon verstehen.

Olten: Mit 25.000 Euro kann man keinen Hauptamtlichen mehr beschäftigen. Maximal geht das noch bis Ostern. Es wurde aber keine Alternative beschlossen.

Der Vorstand des Stadtmarketingvereins tritt nicht mehr an. Warum? 

Heider Olten: Weil die Stadt den Zuschuss für das Stadtmarketing gekürzt hat. Deshalb sieht der Vorstand keine Möglichkeit, die Arbeit wie bisher weiter zu machen.

Der Vorstand streicht also die Segel, weil das Geld knapp ist. Hatdas Stadtmarketing in Homberg eine Chance? 

Olten: Man muss die Aufgaben reduzieren und auf verschiedene Schultern verteilen. Außerdem müssen andere Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

Was halten Sie von dieser Entwicklung? 

Richhardt: Alle anderen strengen sich an. In Fritzlar wird Geld ins Stadtmarketing gepumpt. In Schwalmstadt wird ein Stadtmarketingmanager eingestellt. In Melsungen stellt man das Stadtmarketing neu auf. Das machen die nicht ohne Grund.

Wurden Ihre Erwartungen enttäuscht? 

Richhardt: Ein Wirtschaftsplan ist das A und O eines jeden Unternehmens. Wenn man aber in ein Geschäftsjahr mit einem Budget von 120.000 Euro geht und nach drei Wochen nur noch 25.000 Euro hat, dann wurden die Erwartung nicht erfüllt.

Ist das nicht ein harter Schlag für Sie?

Richhardt: Wenn man uns vorwerfen könnte, wir hätten den Clobesmarkt ins Wasser fallen lassen und das Weinfest sei aus dem Ruder gelaufen, dann wären es konkrete Vorwürfe. Aber wir können uns weder vom Vorstand noch von der Geschäftsführung aus vorwerfen, dass wir etwas in den Sand gesetzt hätten.

Hat sich die Arbeit für Sie nicht eher reduziert, weil Gilden gegründet wurden? 

Richhardt: Nein, das kann man so nicht sagen. Sämtliche juristische Abläufe liegen immer beim Stadtmarketing. Wenn es so einfach wäre, müsste ich keine Verträge mehr unterschreiben, keine Marktbeschicker einwerben, keine Plakate gestalten. Ich will die Arbeit der Gilden nicht abwerten. Aber jedes Mal, wenn sie in Schräglage kamen, hat sich der Stadtmarketingverein eingesetzt.

Wie könnte man die Aufgaben denn verteilen? 

Olten: Der Bürgermeister hat ja eine Dreiteilung vorgeschlagen. Eventmanagement mit bürgerlichem Engagement und Sponsoren - ein Verein wurde schon gegründet. Dr. Richhardt soll sich um das Haus der Reformation und Tourismus kümmern. Und ein Stadtentwicklungsverein soll sich um Liegenschaften und Leerstand kümmern.

Also sehen Sie ihre Zukunft im Haus der Reformation? 

Richhardt: Ja, das kann ich mir für mich und Homberg vorstellen.

Es gibt eine Arbeitsgruppe, die Lösungen für die Ausrichtung des Stadtmarketings sucht. Diese tagt ohne Sie... 

Richhardt: Ich war am Anfang irritiert. Aber die brauchen auch einen Freiraum, in dem sie ungeschützt sagen können, was ihre Bauchgefühle sind. Ich habe mir gesagt, lass die mal.

Herr Dr. Richhardt, Sie haben es in den vergangenen zwei Jahren nicht geschafft, die Homberger Kaufleute hinter sich zu bringen... 

Olten: Es gibt immer Trittbrettfahrer. Und zu den Kritikern: Es wird nicht gesagt, was nicht geleistet wurde. Das sind so Bauchgefühle, die nicht konkretisiert werden. Es gibt keine konkreten Vorwürfe. Wir haben alle Anforderungen, die die Stadtverwaltung uns übertragen hat, erledigt.

Richhardt: Ich würde mich freuen, wenn bei der Jahreshauptversammlung (am 18. Februar Anm. d. Red.) eine lange Liste auf den Tisch kommt, auf der steht, was hätte anders laufen müssen. Auf sachlicher Ebene gab es trotz mehrfacher Prüfungen keine Fehler.

Das heißt, es gibt keinen Grund zur Kritik und Sie haben keine Fehler gemacht? 

Richhardt: (lacht) Ich hatte mal eine Rocker-Jacke an, das ist mir vorgeworfen worden. Wir haben aber gewisse Probleme in Homberg unterschätzt.

Welche? 

Richhardt: Die Leerstandsbeseitigung. Es gibt Geschäfte, die es schwerer hätten oder sich nicht angesiedelt hätten ohne das Stadtmarketing. Es gibt aber auch das gruselige Wort Erbengemeinschaft. Wir hatten viele Interessenten an leerstehenden Gebäuden, bei denen die Rechtslage nicht geklärt ist.

Olten: Grundsätzlich wurde dem Stadtmarketing zu viel zugemutet.

Hätten sie da nicht Stopp rufen müssen? 

Richhardt: Dazu gehört auch ein Bürgermeister, der sie unterstützt und das auch so sieht. Bei Herrn Ritz ist das mehr gegeben als bei Herrn Wagner.

Was ist an dem Vorwurf dran, dass es nicht gelingt, die Feste aus dem Minus zu holen? 

Richhardt: Wir haben das Defizit des Herbstmarktes von 4000 auf 1000 Euro gesenkt, das Minus beim Weinfest von 16 000 auf 8000 reduziert. Wir waren auf einem guten Weg.

Wie geht es weiter mit dem Stadtmarketing?

Olten: Vielleicht finden sich genügend andere, die das weitermachen. Es gibt ja jetzt Homberg Event e.V. Die wollen das Stadtfest machen und Sponsoren gewinnen.

Wie geht es Ihnen? 

Richhardt: Es kommen überall Entdeckungen zu Tage, die nicht so angenehm sind. Vor dem Einbruch der Gewerbesteuer haben wir schon vor längerem gewarnt. Ich habe das Gefühl, dass wir es gut gemacht haben. (may)

Quelle: HNA

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