Gensunger Werkstoff-Prüflabor Dr. Wiewecke hat neue Maschine mit 110 Tonnen

„Wir kriegen alles raus“

Gewaltige Kräfte: Mit dem Gewicht von 100 Kleinwagen drückt die Prüfmaschine auf das Werkteil. Bei 82 Tonnen ist das 50 Millimeter starke Stahlblech schon deutlich verbogen. Die beiden Azubis Fabian Schmidt (23, links) und Steven Skroblin (22) untersuchen, wann es bricht. Fotos: Schindler

Gensungen/Fuldabrück . „Wir kriegen alles kaputt“, sagt Dr. Frank Wiewecke (52). Auch wenn sich das martialisch anhört – der promovierte Ingenieur ist kein besonders destruktiver Mensch. Er zerstört professionell, im Dienste der Sicherheit. Vor Kurzem ist seine Zerstörungskraft noch gewachsen: Denn mit einer Kraft von bis zu 110 Tonnen kann er jetzt mit seiner neuen Universalprüfmaschine Stahl biegen und ziehen, bis der bricht. Wozu das Ganze? Wiewecke begutachtet Werkstoffe. Er untersucht, warum eine Achse gebrochen ist, wie stark ein Zahnrad belastet werden kann und wie viel Druck ein Metallschlauch aushält.

Seit 1995 betreibt der Ingenieur sein 1990 in Felsberg-Gensungen gegründetes Prüflabor für Werkstoffe in Bergshausen. Seither hat Wiewecke sich nicht nur in der Region, sondern deutschlandweit einen Namen gemacht. Als Sachverständiger und öffentlich bestellter Gerichtsgutachter ist er auch in Europa ein gefragter Fachmann.

Für die Bundeswehr untersuchte er die Belastbarkeit der Panzerketten-Zahnkränze beim Leopard, für die Automobilindustrie die Lebensdauer einer Nockenwelle. Für Bahnhersteller die Haltbarkeit von Türen und Gelenken. Und für die Scheichs in Kuweit fand er heraus, warum eine große Laufrad-Schaufel gerissen war.

„Wir kriegen alles raus“

Bei der Untersuchung schauen die Mitarbeiter sozusagen direkt in die Wunde. „Wir öffnen den Riss, dann gucken wir uns die Bruchflächen an“, sagt der Ingenieur. Dafür werden die Prüfteile mit einer großen Säge aufgesägt. Anhand der Spuren im Material versuchen die Fachleute herauszubekommen, was passiert ist. Notfalls wird unter dem Rasterelektronenmikroskop nach den Ursachen gefahndet. Mit großem Erfolg: „Wir kriegen alles raus“, sagt Wiewecke.

Auf seine neue Maschine ist er besonders stolz. Mit ihr kann er jetzt auch größere Bauteile prüfen. „Solche Prüfmaschinen gibt es europaweit nur ganz wenige, in Deutschland sind wir das einzige private Prüflabor, das so etwas hat“, sagt er. Die Maschine kostet so viel wie ein Einfamilienhaus. Doch Wiewecke will weiter investieren, um auf dem neuesten Stand der Technik zu sein. Und die Geschäfte laufen seit Firmengründung sehr gut. 2009 war – trotz Wirtschaftskrise – sein bestes Jahr, und auch 2010 geht es hervorragend weiter, sagt er. Mit 2500 Aufträgen rechnet er im laufenden Jahr.

Vier hochspezialisierte Mitarbeiter wie Werkstoffprüfer und Metallografen beschäftigt der Unternehmer in Bergshausen.

Auch Lehrlinge bildet er regelmäßig zu Werkstoffprüfern aus, zurzeit sind zwei Azubis bei ihm beschäftigt. Im Sommer wurde erstmals seit 25 Jahren in Nordhessen eine Abschlussprüfung abgenommen, künftig werden sie hier regelmäßig stattfinden. Denn Wiewecke sitzt seit Anfang 2010 im Prüfungsausschuss der für die Werkstoffprüfer in Nordhessen zuständigen Handelskammer in Wetzlar.

HINTERGRUND

Von Holger Schindler

Quelle: HNA

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