Tod wird ausgegrenzt - Pfarrer Peter Hörnlein über die Kraft der Heilung

Theologe Peter Hörnlein

Wolfhagen. Der Theologe Peter Hörnlein aus Kassel wird am Sonntag in der Evangelischen Kirche in Viesebeck zu Gast sein. Dort setzt er sich in einem besonderen Gottesdienst mit dem Thema Heilung auseinander. 

Darin lässt er seine eigenen, schmerzlichen Erfahrungen einfließen, die er unter anderem in Äthiopien und Spanien gesammelt hat. Wir sprachen mit dem Pfarrer i. R. über die Rolle von Kirche und Gesellschaft beim Thema Heilung.

Herr Hörnlein, was bedeut für Sie Heilung?

Peter Hörnlein: Heilung bedeutet für mich, dass der Mensch mit Leib, Seele und Geist gesund ist, im Einklang mit sich selbst und im Frieden mit Gott.

Sie haben bei Ihrer Arbeit mit Kranken viel über menschliches Leid erfahren. Was ist die größte Sorge der Menschen?

Hörnlein: Im Leiden allein zu sein, niemanden zu haben, der tröstet und bei ihm ist. Besonders in der letzten Stunde. Die Sorge, was kommt nach dem Tod.

Kümmert sich die Gesellschaft genügend um Kranke?

Hörnlein: Tod, Leiden und Krankheit werden immer noch zu viel ausgegrenzt. Es erinnert an die eigene Vergänglichkeit. Die Gesellschaft kümmert sich zu wenig um Kranke. Die Politik ist gefragt, wie wir mit alten, kranken und schwachen Menschen umgehen. Es sollte in den Krankenhäusern an erster Stelle um die Heilung von Menschen gehen und nicht um Profit.

Welche Rolle kann Kirche spielen?

Hörnlein: Es sollten mehr Segnungs- und Heilungsgottesdienste in den Gemeinden angeboten werden. Kirche kann ihren Einfluss geltend machen, dass die ganze Gesellschafft sich mehr für Kranke einsetzt.

Müsste sich Kirche nicht intensiver um schwer Kranke kümmern?

Hörnlein: Die seelsorgerliche Begleitung ist noch weiter ausbaufähig. Pfarrer sollten genug Zeit für die Krankenseelsorge, das Gebet und die Begleitung Schwerkranker haben. Der Heilungsauftrag Jesu an seine Gemeinde sollte mehr wahrgenommen werden.

Sie selbst wurden bei Ihrem Einsatz im Bürgerkrieg schwer verletzt. Wie haben Sie Heilung erfahren?

Hörnlein: Ein russischer Chirurg im Militärkrankenhauis in Addis Abebahat mir wahrscheinlich das Leben gerettet und mit seiner freundlichen Art sehr geholfen. Viele Menschen haben für mich gebetet. Meine Frau hat mir sehr zur Seite gestanden. Ein älterer Pfarrer hat mich seelsorgerlich begleitet. Mein Glaube, dass Jesus mich heilen will, hat mir Hoffnung und Zuversicht geschenkt. Ärztliche Hilfe und Gottes Berühren haben einen Prozess von Heilung ausgelöst.

Welche Hoffnung kann man Menschen machen, die jeglichen Lebensmut verloren haben?

Hörnlein: Sich Gott anzuvertrauen, zu ihm zu schreien oder zu beten. Mut zusprechen, das Jesus auch heute noch hilft und heilt, auch wenn wir als Menschen über Heilung nicht verfügen können. Oft schenken Gebet und Zuwendung inneren Frieden und Hoffnung, auch wenn körperlich noch keine Heilung eingetreten ist.

Was erwartet die Besucher des Gottesdienstes am Sonntag?

Hörnlein: Meine Hoffnung ist, dass Menschen von Gottes Heilkraft, aber auch von seiner Liebe berührt werden und ermutigt werden, auch für sich selbst um Heilung beten zu lassen. Ich möchte vermitteln, dass Jesus Christus auch für unsere Krankheit am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Jesus will heilen. Ich wünsche und bete, dass durch diesen Abend das Gebet für Kranke wieder mehr in den Blick kommt und das Vertrauen wächst, dass Gott auch heute noch heilt.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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