Neues Dialyse-Verfahren für schonendere Behandlung von Nierenkranken

So wird das Blut sauber

Blutreinigung: Patientin Giesela Deinert fühlt sich wohl mit der herzschonenden Dialyse Online-HDF. Neben ihr steht der Nephrologe Thilo Menzer. Foto: Mangold

Fritzlar. Mehr als 66 000 Menschen in Deutschland sind Dialysepatienten. Ihre Nieren funktionieren zu wenig oder gar nicht mehr, und sie müssen lebenslang mehrmals in der Woche zur Dialyse, um ihren Körper zu entgiften und zu entwässern.

Die Zahl der Dialysepatienten steigt. Grund dafür sind unter anderem Wohlstandserkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Gefäßverkalkungen und erhöhte Blutfettwerte. In der Folge nehmen die Nierenerkrankungen zu, erklärte Thilo Menzer, Nephrologe aus Homberg.

Höheres Krankheitsrisiko

Dialyse-Patienten haben im Vergleich zur Normalbevölkerung ein mehr als zehnfach erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Zudem sind die Patienten zunehmend älter und leiden vielfach zusätzlich zur Nierenerkrankung an anderen schwerwiegenden Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz- und Gefäßschäden.

Um so wichtiger ist die Reinigung des Blutes durch die Dialyse. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers von Stoffwechselprodukten und Wasser befreit. In einem Dialysator fließt das Blut an einer Spülflüssigkeit vorbei, getrennt durch einen dünnen Filter, der die Blutkörperchen zurückhält, Stoffwechselprodukte und Wasser aber hindurchlässt. Das gereinigte Blut fließt zurück in den Körper.

Ein neues Dialyseverfahren, die Online-Hämodiafiltration (Online-HDF), sei herzschonender und senke die Sterblichkeitsrate der Patienten um 30 Prozent, die Schlaganfallrate um über 60 Prozent, erklärte Menzer. Es verbessere den Blutdruck und vermindere Fettstoffwechselstörungen.

Bei der Online-HDF entzieht die Maschine während der Behandlung größere Mengen Wasser als bei der Hämodialyse. Die zusätzlich entnommene Flüssigkeit wird durch eine ultra-reine Elektrolytlösung ersetzt. Im Verlauf der Behandlung tauscht die Maschine eine große Menge Flüssigkeit aus und entfernt die Stoffwechselgifte aus dem Blut.

Durch die große Flüssigkeitsmenge wird der Blutdruck besser aufrecht erhalten. „Wir haben, seit wir das neue Verfahren anwenden, fast keine Blutdruckabfälle mehr“, sagte Menzer. „Den Patienten geht es besser und sie fühlen sich wohler“. Die Geräte seien leider etwas teurer, die zehn Euro Mehrkosten pro Dialysebehandlung und Patient tragen die Arztpraxen.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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