Das Bergheimer Lokal „Zur alten Post“ ist seit 100 Jahre ein Familienbetrieb

Wirte aus Leidenschaft

Bergheim. Wenn August und Anni Blackert ihre drei Gästebücher durchblättern, haben sie es Seite für Seite schwarz auf weiß: Die Bergheimer Eheleute sind richtig gute Gastgeber. Und das nicht erst seit gestern, denn ihre Familie bewirtschaftet bereits seit 100 Jahren das Lokal „Alte Post“. Dieses Jubiläum feierten die Blackerts nun mit einem Fest.

Im Dezember 1913 kauften August Blackerts Großeltern das Gasthaus in Spangenberg-Bergheim. Seitdem ist der Herd nie kalt geblieben. Ab 1951 führten Martin und Elisabeth Blackert das Lokal, 1972 übernahm es ihr Sohn August. Dessen Frau Anni bietet ihren Gästen seit mehr als 30 Jahren eine bodenständige gut-bürgerliche Küche.

An der Qualität der Küche hat sich also nichts geändert, wohl aber am Namen: Die Wirtschaft hieß wegen der beiden Bäume, die früher am Eingang standen, bis 1979 „Grüner Baum“. Um an die ehemalige Poststation zu erinnern, nannten sie sie in Alte Post um.

Im oberen Geschoss befand sich ein Saal, in dem nach dem Krieg Flüchtlinge lebten, sogar ein Kind wurde dort geboren. Und als die Bergheimer Schule abbrannte, wurde der Saal kurzfristig zum Klassenraum.

„Wir haben schon immer gerne mit Menschen zu tun. Die Alte Post ist unser Leben.“

August Blackert

Die neuen Zeiten zogen 1953 ein. Damals rissen die Eltern des heutigen Wirts die Toiletten im Hinterhof ab und modernisierten das Haus, 1977 musste das Fachwerkhaus komplett weichen, damit mehr Fläche und Wohnraum entstehen konnte. Beim Abriss habe ihm das Herz damals schon geblutet, sagt Blackert. „Aber was sollten wir machen: Die Zimmer waren ja nur 2,10 Meter hoch“, erzählt der 73-Jährige. „Und damals haben ja auch alle geraucht! Man hätte die Luft mit einem Messer schneiden können, so dicht stand der Qualm in dem niedrigen Raum.“

August und Anni Blackert sind Wirtsleute aus Leidenschaft. Sie berichten von Tanzvergnügen, Vereinsfeiern und Stammtischen: „Wir haben schon immer gerne mit Menschen zu tun“, sagen sie. „Die Alte Post ist unser Leben.“

Der berühmteste Mensch, mit dem sie zu tun hatten, war 1986 Bundespräsident Karl Carstens. Der Politiker war zum Wandern in die Spangenberger Region gekommen. Ein Hubschrauber setzte ihn in Melsungen ab, Carstens besuchte neben der Bartenwetzerstadt auch Bergheim. Aufgeregt sei er damals nicht gewesen, sagt Blackert.

Immer schön ruhig bleiben

Und auch den 100. Geburtstag ging er gelassen an: „Ich lasse mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen“, sagt er. „Das wäre für einen Wirt auch ganz schlecht.“

Blackerts sind die letzte Generation, die das Bergheimer Vereinslokal betreibt. Sohn Matthias und Tochter Birgit und die Enkel Niklas, Johannes, Tobias und Simon halfen zwar gerne beim 100. Geburtstag mit, werden aber selbst den Treffpunkt nicht betreiben.

Wenn Blackerts aufhören, endet in Bergheim eine Ära. Aber das dauert noch: „Wir arbeiten, so lange es geht, versprechen die beiden.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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